AMD kauft ATI

EnterpriseNetzwerke

Die Gerüchteküche brodelte schon länger: AMD will den Hersteller ATI übernehmen, hieß es zunächst aus informierten Kreisen. Jetzt haben die beiden Unternehmen den Deal bestätigt.

Eine Fusion, die sowohl für AMD als auch für ATI – der Hersteller konkurriert bei Grafikchips mit Nvidia – Sinn machen könnte. Entsprechende Gerüchte jedoch kursieren seit etwa drei Monaten.

AMD hat sicherlich gute Gründe, die Marktposition mit dem ATI-Zukauf zu stärken und damit eine Industrie in ihren Grundfesten zu erschüttern, zumindest auf lange Sicht. ATI ist nicht nur ein Hersteller von Grafikchips sondern auch von so genannten Chipsets. Das sind Bausteine, die die Peripherie eines zentralen Prozessors bilden.

Hier hat AMD gegenüber Intel starken Nachhohlbedarf. Die derzeitige Nummer 1 auf dem Halbleitermarkt konzentriert die Marketingaktivitäten weg vom einzelnen Prozessor hin zur Plattform. Dementsprechend forciert Intel auch technologisch die Entwicklung dieser Plattformen und kann hier besonders bei Laptops gegenüber dem kleineren Konkurrenten punkten. 

Doch aus der Industrie ertönen auch kritische Stimmen zu dem Merger. So glauben Analysten, dass sich AMD trotz exzellenter Quartalszahlen finanziell verheben könnte. Plant doch der Halbleiterproduzent in den nächsten Jahren Investments von über 5 Milliarden Dollar. Auch warnen Stimmen davor, dass der Deal zu teuer sein könnte. ATI ist derzeit an der Börse rund 4,2 Milliarden Dollar wert.

Der Kaufpreis von 5,5 Milliarden wird ebenfalls kritisch beäugt. Einen Großteil der Summe will AMD bar bezahlen, der Rest soll in AMD-Aktien abgewickelt werden. Die Margen bei Grafikkomponenten liegen jedoch nicht so hoch wie bei den zentralen Prozessoren. Zudem müsste AMD mit einer Kriegskasse von derzeit geschätzten 2,5 Milliarden Dollar vermutlich einen Kredit aufnehmen. Das birgt ein hohes Risiko, da der Hersteller sich derzeit einen erbitterten Preiskampf mit dem großen Rivalen liefert.

Zudem würde diese Übernahme mit dem Projekt ‘Torrenza’ über Kreuz gehen. Hier will AMD Drittherstellern Zugang zu den eigenen Chiptechnologien gewähren, um das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten zu verbessern. Konfliktpotential beinhalten auch die Beziehungen zu Nvidia. Auch diesen Hersteller muss sich AMD weiterhin als Partner warm halten. ATI und Nvidia müssten auch nach der Übernahme mit den gleichen technischen Informationen versorgt werden.

“Wir werden jetzt sicherlich schnellere und komplettere Lösungen anbieten können”, kommentierte Jochen Polster, Geschäftsführer AMD-Deutschland im Gespräch mit silicon.de. Die Übernahme bedeute auf keinen Fall, dass es keine anderen Chipsets mehr geben wird. “Wir werden weiterhin mit verschiedenen Herstellern arbeiten und wir wollen, dass es eine Vielzahl von Lösungen gibt.” Gerade bei mobilen Plattformen sei ATI bislang der wichtigste Partner gewesen. “Wir können jetzt andere Schwerpunkte setzen und wir sind durch die Übernahme flexibler.”

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen