Briten geben bei Online-Werbung den Takt vor

Management

Wenn es um die Zukunft der Online-Werbung geht, muss sich die IT-Branche – ganz im Gegensatz zu sonstigen Gewohnheiten – offenbar nicht an den USA sondern an Großbritannien orientieren.

Media-Agenturen berichten hier von jährlichen Wachstumsraten von satten 40 Prozent – an den Gesamtwerbeausgaben hat der Online-Bereich inzwischen einen Anteil von 14 Prozent. Diese Zahlen sind weltweit einmalig und doppelt so hoch wie die vergleichbaren Prozentsätze in den USA.

“Die USA hinken stark hinterher. Ihnen fehlen im Vergleich zu den USA sicher ein bis zwei Jahre”, sagte Yahoo-CEO Terry S. Semel während einer Konferenz in London. Auf der Suche nach Gründen für diese Kluft zwischen den beiden Ländern, bringen Branchenbeobachter immer wieder zwei Hauptargumente. Einerseits der vergleichsweise hohe Anteil an nationaler Werbung in Großbritannien, andererseits die ungebrochene Begeisterung der Amerikaner für das Fernsehen.

So steckten die 50 wichtigsten Werbetreibenden der USA in der ersten Jahreshälfte lediglich 3,8 Prozent ihres Werbebudgets ins Internet – ausgenommen suchbezogene Werbeeinblendungen bei Google, so die aktuellen Daten von TNS Media Intelligence. Manche Experten machen auch die angeblich größere Experimentierfreude der Briten für den Unterschied verantwortlich.

Fest steht, dass auf der Insel gerade die großen Firmen, die in den USA besonders zurückhaltend sind, den Trend ins Internet vorantreiben. So geben britische Banken teilweise bis zu 40 Prozent ihres Werbebudgets im Internet aus. Unternehmen aller Branchen eint die Begeisterung für bezahlte Werbeeinblendungen bei Google und Co.

Die Analysten sind sich deshalb einig, dass es in Großbritannien nicht lange dauern wird, bis die Internet- mit der Fernsehwerbung gleichgezogen hat. Denn nach aktuellen Zahlen verbringen die Briten bereits jetzt 23 Stunden pro Woche im Internet – die Amerikaner schaffen gerade mal 14 Stunden.

Der jüngst vorgestellten JIM-Studie 2006 (Jugend, Information, Multi-Media) zufolge scheint Deutschland eher dem britischen Vorbild nachzueifern. Zwar ist der Fernseher bei den Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren nach wie vor das meistgenutzte Medium – die meisten Teenager gaben aber auch an, auf den PC am wenigsten verzichten zu können.