Für Dell kommt es dicke

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Der weltweit größte PC-Hersteller Dell muss dieser Tage gleich zwei schlechte Nachrichten verkraften. Der Konzern muss nicht nur einen Gewinneinbruch verkraften, sondern auch noch Bilanz-Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC.

Tatsächlich wusste man bei Dell über die informelle SEC-Untersuchung zur Umsatzverbuchung und zu weiteren Bilanzfragen bereits seit über einem Jahr Bescheid, räumte ein Sprecher ein. Die Firma habe die Informationen aber für sich behalten, da sie sich nicht zur Veröffentlichung verpflichtet gesehen habe.

Dass die Anleger die Sache nicht ganz so gelassen sehen, beweist die Aktientalfahrt, die der Mitteilung folgte. Für diese ist auch ein Gewinneinbruch im abgelaufenen Geschäftsquartal verantwortlich, wonach sich der Ertrag um 51 Prozent auf 502 Millionen Dollar reduziert hat. Zwar stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar – doch das bedeutet für das Unternehmen das langsamste Wachstum seit mindestens drei Jahren.

In Bezug auf die SEC-Untersuchungen sagte Dell-CEO Kevin Rollins, er glaube nicht, dass sie “substantielle Auswirkungen” auf die Finanzlage des Konzerns haben werden. Bei der Beantwortung der Fragen der SEC seien jedoch “ein paar Probleme” aufgetaucht, die nun auch intern untersucht werden sollen, sagte Finanzchef Jim Schneider. Die SEC habe einen wahren Berg an Dokumenten angefordert: “Damit könnten sie einen Lastwagen füllen”, so Schneider während einer Analystenkonferenz.

Die schwachen Dell-Ergebnisse standen im krassen Gegensatz zu der guten Gewinnentwicklung beim Hauptkonkurrenten Hewlett-Packard, der seine Quartalsergebnisse einen Tag zuvor vorgelegt hatte.
  
Dell habe frühere Wettbewerbsvorteile aus seinem Direktvertriebsmodell längst ausgereizt, begründen Analysten das schwache Ergebnis von Dell. Hinzu kämen Imageprobleme. “Dell hat die Trendwende eingeleitet. Aber ich weiß nicht, ob die bisherigen Schritte ausreichen”, sagte Shaw Wu von American Technology Research.

CEO Rollins sagte, er sei enttäuscht über das Quartalsergebnis. Um die Resultate langfristig zu verbessern, werde man nun getane Fehlschritte verbessern. So will Rollins Kostensenkungen beschleunigen, mehr Geld in den Service stecken und ein besseres Preismanagement betreiben.

Geplant ist auch, verstärkt Server und PCs mit Chips von AMD anzubieten. Durch den Ausbau der Kooperation soll die Abhängigkeit von Intel reduziert werden. In der Dell-Produktlinie ‘Dimension’, die im kommenden Monat auf den Markt kommen soll, würden AMD-Athlon-Chips eingesetzt, hieß es. AMD hat sich inzwischen zu einem beachtlichen Konkurrenten von Intel entwickelt. Der jüngste Ausbau der Produktionskapazitäten – unter anderem in Deutschland  – lässt nach Meinung von Branchenbeobachtern darauf schließen, dass AMD einen Anstieg der Nachfrage erwarte. 

Für Dell war es nicht die erste Hiobsbotschaft diese Woche. Der Konzern hatte vor einigen Tagen Millionen Laptop-Akkus mit Sony-Batterien zurückgerufen, weil sie im Extremfall in Flammen aufgehen können. Der Rückruf war die größte derartige Aktion in der 22-jährigen Firmengeschichte.