Nvidia sieht sich durch den AMD-ATI-Merger im Vorteil

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Nach dem Kauf von ATI durch AMD sieht sich der Konkurrent Nvidia nun in einer besseren Position, den Markt angehen zu können.

Derzeit liefert AMD noch viele Produkte mit Komponenten von Nvidia aus. Die Ursache sind Zulieferverträge, die der Halbleiter-Produzent vor dem Merger mit dem Chipset- und Grafikkarten-Hersteller ATI abgeschlossen hat. Das werde sich jedoch spätestens im November 2008 massiv ändern glaubt Michael Hara, Vice President Investor Relations bei Nvidia. Alle Lizenzabkommen sollen bis dann überarbeitet werden.

Dennoch sieht sich der Hersteller, der sich auf die Herstellung von Komponenten und Grafik-Chips konzentriert, seit der AMD-Übernahme in einer guten Position und schaut gelassen in die Zukunft. “Wir werden die Möglichkeit haben, den gesamten Markt angehen zu können”, so Hara im Gespräch mit silicon.de.

ATI werde hingegen ab jetzt an AMD gebunden sein. Wichtigster Partner – aber auch Konkurrent – für Nvidia ist von nun an Intel. Aber auch in ungekehrter Richtung wird sich das Verhältnis zwischen den Herstellern intensivieren. Eine Kooperation mit ATI erscheint im Licht der neuen Verhältnisse für Intel künftig ausgeschlossen.

“Intel will sich von seinem Erzrivalen nicht in die Karten schauen lassen”, glaubt Hara. Für komplexere Grafik-Hardware wird sich Intel also künftig eher an Nvidia halten. Dadurch wird der Grafik-Spezialist auch als Übernahmekandidat für Intel appetitlicher.

Nachdem sich AMD einen Grafik-Experten ins Haus geholt hat, könnten die Wettbewerbshüter in den USA nun auch einen Intel-Nvidia-Merger eher gestatten, als vor dem Zusammenschluss. “Alles nur eine Frage des Geldes”, kommentiert Hara als Vice President eines börsennotierten Unternehmens.

Doch was will AMD mit der Grafikabteilung von ATI anfangen? Hara glaubt, dass AMD-Chef Hector Ruiz, um auf lange Sicht im Markt gegen den Giganten Intel bestehen zu können, den Pfad, den Intel vorgibt, verlassen muss. Daher sieht er es als wahrscheinlich an, dass AMD versuchen wird, in seine CPUs ein starkes ‘Grafikgetriebe’ zu integrieren.

“Dieser Schritt ist extrem schwierig und risikobehaftet”, glaubt Hara. Auch Intel habe das versucht. Das Projekt nannte sich TIMNA. Dabei wollte Intel auf einem Pentium III einen Grafikkontroller integrieren. “Intel hat die Entwicklung eingestellt, weil die Entwicklungszyklen der unterschiedlichen Technologien einfach zu verschieden waren”, erläutert Hara. “Es ist im Grunde ein Rhythmus-Risiko und dieses Produkt wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen”, glaubt Hara. AMD setze hier Haus und Hof auf eine Karte.

Dieses Produkt, so es denn den Markt erreicht, werde jedoch vor allem im unteren Preissegment vertreten sein. “Daher sind wir davon relativ unbetroffen”, prognostiziert Hara. Denn in diesem Bereich, das sind vor allem Arbeitsplatzrechner im Unternehmen, sei Nvidia derzeit ohnehin nicht vertreten.

“Die große Veränderung aber wird mit Vista kommen”, freut sich Hara. “Ich liebe Vista.” Denn zum ersten Mal ermögliche es das Betriebssystem, dass die Anwendungen und die grafischen Nutzerschnittstellen nicht mehr über die CPU mit den Grafikkomponenten sprechen, sondern dank der Grafik-Engine Avalon über DirectX und bx10 direkt die Grafikkarte ansprechen, und alles in 3D-Optik.

Daher sei es auch “eine gute Zeit, im Grafikgeschäft zu sein”, weil die Anwender an einem Scheideweg stehen. ‘Convergence of Expirience’ nenne man das im Hause Nvidia. Vom Handy über den PC bis hin zum Fernseher wollen die Anwender die gleiche Qualität bei Musik und vor allem beim Film. Diese Technologien jedoch skalieren bis hin zum Computer-Cluster, der mit Hilfe von 278 Nvidia Karten nukleare Abläufe simuliere.