HP-Managerin Dunn in der Zwickmühle aus Moral und Firmenpolitik

Management

Patricia Dunn und weitere Manager von Hewlett-Packard (HP) sind angeklagt.  Sie müssen sich nicht nur wegen Mitwisserschaft in dem Abhörskandal, sondern auch als angebliche Auftraggeber illegaler Praktiken verantworten.

Der Generalstaatsanwalt von Kalifornien, Bill Lockyer, hat Dunn in vier Punkten schwerwiegender Verbrechen angeklagt. Ihr Rechtsanwalt teilte zwar mit, man habe die “falsche Person der falschen Dinge bezichtigt”- doch nun müssen sie und weitere Manager vor Gericht.

Auch auf den HP-Manager für Ethik Kevin Hunsaker, sowie auf Ronald DeLia, den Geschäftsführer der ausgelagerten HP-Detektei Security Outsourcing Solutions und die externen Detektive Matthew Depante und Bryan Wagner der Bostoner Firma Action Research Group warten nun verschiedene Anklagepunkte in den mittlerweile mehrere Wochen dauernden Ermittlungen über Abhörmaßnahmen im Top Management von HP.

Die Anklageschrift stellt demnach fest, dass auf Dunn und Hunsacker als die Personen, die am tiefsten in die Maßnahmen involviert sein sollen, bis zu 12 Jahre Gefängnis und zusätzlich 30.000 Dollar Strafe warten können, sollte das Gericht letztendlich dem Staatsanwalt zustimmen. Die beiden sollen entgegen zunächst gemachter Aussagen sehr wohl von den umstrittenen Methoden der Detektive gewusst haben: Diese hatten, um ein kritisches Informationsleck in den oberen Etagen zu finden, durch Vorgabe falscher Identitäten bei Telefonfirmen Gespräche der Directors von HP mit angehört und die Inhalte verwendet. Zwar war so die Lücke gefunden worden, doch die Methoden ziehen nun grundsätzliche Überlegungen zur Ethik in Großkonzernen nach sich.

Dunn, die sich derzeit einer Krebsbehandlung unterziehen muss, sprach am Donnerstag vor Gericht vor und sagte zu, sich am 17. November zur Anklageerhebung vor dem Richter des Superior Court, Alfonso Fernandez, einzufinden. Darüber hinaus hatte sie eine 33 Seiten lange Erklärung abgegeben, in der sie laut ihrem Rechtsanwalt ihre Unschuld beteuert. Allerdings soll eine handschriftliche Notiz aus der Bostoner Firma über einen Conference Call mit Dunn beweisen, dass sie nicht nur davon gewusst habe, sondern auch aktiv an der Fortsetzung der Untersuchung beteiligt gewesen sein soll.

Schwierig ist diese Untersuchung laut Rechts- und Ethikexperten deshalb, weil hierbei nicht nur eine besonders große Firma und die “höchstrangige Firmenvertreterin, die bisher überhaupt mit Privacy-Vorwürfen belegt wurde” quasi mit auf der Anklagebank sitzt. Sondern, weil rechtliche und moralische Fragen hier hineinspielen, so Michael Hoffman, Geschäftsführer des Center for Business Ethics am Bentley College in Waltham, Massachusetts. Die Bredouille für die Unternehmen in der Zeit von Sarbanes Oxley liege in strukturellen und vorgehensorientierten Fragen.

Es sei demnach für den einzelnen Manager oder Angestellten nicht immer möglich, sich gleichzeitig ethisch korrekt und in Einklang mit der Firmenpolitik zu verhalten. So seien nach dem Enron-Skandal um das Jahr 2000 verschiedene Firmen daran gegangen, sich eine Strategie und einen Zuständigen für Compliance zu geben, der dafür sorgen soll, dass die Regelen und Gesetze finanztechnisch eingehalten werden. Doch dies Bemühen konterkariere zuweilen moralische Verpflichtungen. Vor allem die Unabhängigkeit der Compliance-Manager von der Rechtsabteilung einer Firma zusammen mit der Befehlsstruktur lasse die Betroffenen schnell in einer Grauzone zwischen Gesetz und Firmenpolitik allein.

Die eigene Karriere erfordert unbedingte Loyalität von den Angestellten – die allgemein anerkannte Moral erfordert zuweilen ein stückweit Unabhängigkeit hiervon, oder auch Selbstverantwortung. Dunn, so heißt es, habe sich in ihrer Karriere immer an die HP-Policy gehalten, daher sei ihr nichts vorzuwerfen, sagte ihr Anwalt gegenüber der Business Week. Chief Ethics Officer Hunsacker sieht sich denselben Vorwürfen gegenüber. Auch sein Anwalt scheint auf die Karte der Loyalität zu setzen.

Während das US-Justizministerium wegen der Größe und Bedeutung des Konzerns und der Schwere der Vorwürfe eigene Untersuchungen angestrengt hat, bedeutet die Anklage für HP aber zunächst etwas Stabilität, da jetzt die Angeklagten feststehen und die anderen Manager – allen voran CEO Mark Hurd – zunächst trotz anhaltender Befürchtungen zu so etwas wie Normalität zurückkehren können.