Gefährliche Monokultur durch 100-Dollar-Laptop

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Wenn alles klappt wie geplant, werden im Rahmen des amerikanischen Projekts ‘One Laptop per Child’ (OLPC) im ersten Jahr 100 Millionen 100-Dollar-Laptops ausgeliefert. Doch eine derartige Monokultur birgt erhebliche Sicherheitsrisiken.

Schließlich werden durch das Projekt Millionen von Rechner mit identischem Hardware- und Software-Design auf den Markt gebracht – das ideale Spielfeld für Cyber-Kriminelle. Die Verantwortlichen der OLPC-Foundation haben deshalb jetzt die besten Hacker der Welt um Hilfe gebeten.

“Für die Sicherheit dieser Rechner zu sorgen, ist ohne Zweifel die schwierigste Aufgabe, an der ich je gearbeitet habe”, sagte Ivan Krstic, der für die Sicherheit des OLPC-Projekts verantwortlich ist. Den größten Teil des Jahres hat Krstic auf Sicherheitskonferenzen weltweit verbracht, im Gespräch mit Hackern und auf der Suche nach Sicherheitsexperten, die ihm nützliche Hinweise geben können. “Wir wollen mit Hackern in Kontakt treten, die das Material prüfen, mit den Rechnern spielen und versuchen, in sie einzubrechen. Wir haben möglicherweise etwas falsch gemacht und das ist etwas, was wir uns nicht leisten können”, so Krstic gegenüber US-Medien.

Er sei sich der Gefahren durchaus bewusst. Wenn das Projekt ein Erfolg werde, habe man die größte Monokultur in der Computerindustrie geschaffen. “Die Frage, ob das furchterregend ist oder nicht, ist nicht trivial. Die Sicherheitsauswirkungen sind sehr beängstigend.” Die allgemeinen Designziele wurden bereits an den Security Panel der OLPC zur Überprüfung weitergereicht, Krstic will das Material zudem der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, um so Anregungen aus der Open-Source-Szene einzuholen.

Trotz dieser Probleme – an Interesse an dem Projekt mangelt es nicht. Wie die New York Times berichtet, hat Libyen 1,2 Millionen 100-Dollar-Laptops für die Schulkinder des Landes bestellt, inklusive kostenlosem Internetzugang. Ein entsprechendes Abkommen wurde mit den OLPC-Organisatoren bereits geschlossen. Für insgesamt 250 Millionen Dollar bekommt das afrikanische Land bis 2008 die Laptops, dazu einen Server pro Schule, technische Unterstützung und Internetzugang via Satellit. Zudem prüft das Dank Erdöl wohlhabende Libyen, ob auch Laptops für arme Länder wie Tschad, Niger oder Ruanda bezahlt werden sollen.

Die ersten Testmodelle des Laptops  sollen bereits im November ausgeliefert werden, die Serienfertigung ist für den kommenden Sommer geplant. Auch Argentinien, Brasilien, Nigeria und Thailand haben bereits Laptops bestellt.