VoIP erobert mobile Geräte

EnterpriseMobile

Immer mehr Anbieter bringen Lösungen auf den Markt, mit denen das Internetprotokoll (IP) auf mobilen Geräten genutzt werden kann.

“Mobiles VoIP wird den Markt schneller erobern, als von vielen Analysten und TK-Anbietern erwartet”, sagt Bettina Horster, Beraterin der Bundesinitiative Mobilmedia und Vorstand der Dortmunder Vivai Software AG.

Ein Grund für den Aufstieg der mobilen VoIP-Telefonie (Voice over IP) sei, dass ein Anwender sein Verhalten nicht ändern müsse. Er telefoniere wie gewohnt, profitiere von den günstigen Preisen der IP-Telefonie und könne neue Funktionen nutzen.

Ein weiterer Grund für das wachsende Interesse an mobilem VoIP ist die wachsende Zahl von Hotspots. Darunter sind viele, die kostenlos genutzt werden können. Hotspots werden nicht nur in Unternehmen eingesetzt – auch Städte wie Philadelphia und San Francisco bauen flächendeckende WLAN-Netze auf.

Erste TK-Anbieter wagen sich vor

Das Interesse der TK-Anbieter an mobilem VoIP hängt von der Marktstellung des jeweiligen Unternehmens ab. So konkurriert die mobile Technik zwar mit der Festnetz-Telefonie und mit dem teuer erkauften UMTS. Andererseits ist etwa die Telekom-Tochter T-Mobile einer der weltweit größten Betreiber von Hotspots.

Eines der frühen deutschen Mobil-VoIP-Angebote kam von E-Plus – einem der kleineren Mobilfunkbetreiber. E-Plus-Kunden können seit November 2005 die VoIP-Software Skype per UMTS mobil nutzen. Sie brauchen dazu einen Laptop und eine spezielle Datenkarte.

Der E-Plus-Service hat jedoch Mängel, sagt Thomas Magedanz, Professor an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik der TU Berlin. Skype funktioniere im E-Plus-Netz nur, wenn man “der einzige Nutzer ist, der in einer UMTS-Zelle angemeldet ist”. Auf einer Messe könne man den Dienst gleich ganz abschalten.

Die mobile IP-Kommunikation habe Zukunft, so Magedanz. Sie bedürfe aber der Qualitätssicherung und der vom Festnetz bekannten Priorisierung der Datenpakete. Vor einem Masseneinsatz müsse die Standardisierung stehen.

SIP versus UMA

Seit September 2006 offeriert T-Com – Schwester von T-Mobile – das Handy TC 300. In den eigenen vier Wänden bucht sich dieses Gerät ins WLAN-Netz ein, um per VoIP über den DSL-Anschluss zu telefonieren. Unterwegs nutzt das Handy das GSM-Netz. Ein Anwender bleibt dabei immer unter der Festnetznummer erreichbar.

Die T-Com-Lösung basiert auf dem SIP-Protokoll (Session Initiation Protocol) der ‘Internet Engineering Task Force’ (IETF). Andere Mobil-VoIP-Anbieter setzen dagegen auf die Spezifikationen der UMA Alliance (Unlicensed Mobile Access).

Darin haben sich Unternehmen wie Ericsson und Nokia zusammengeschlossen. Sie wollen Anwendungen entwickeln, die Bluetooth, WiFi, WiMAX und das Mobilfunknetz integrieren. Das in Deutschland erhältliche Produkt Genion des Anbieters O2 kann als Vorläufer einer UMA-Lösung gelten. 

T-Com habe sich ganz bewusst für SIP entschieden, sagte Volker Binder, T-Com Senior Vice President Marketing Services and Mobile Internet, auf dem ‘Next Generation Network Summit’ (München, 24. bis 25. Oktober 2006). SIP biete künftig mehr Funktionen als UMA. Viele Anbieter UMA-basierter Dienste überlegten derzeit, auf SIP zu wechseln.

“UMA ist in unseren Augen nur ein Zwischentrend”, so Binder. Künftig werde T-Coms Mobil-VoIP-Angebot ausgeweitet. Dann wolle man auch IP-fähige Geräte von Nokia anbieten.