Ein Ajax-Betriebssystem soll Windows entthronen

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Michael Robertson, der Gründer des Linux-Distributors Linspire, hat sich dem Kampf gegen Microsoft verschrieben. Ajax OS, ein Ajax-Betriebssystem, soll Redmond Marktanteile abnehmen.

Robertson macht Ideen zu Geld. So gründete der heute 39-jährige US-Amerikaner 1998 die Musikseite MP3.com – und verkaufte sie drei Jahre später für 372 Millionen Dollar an Vivendi Universal.

Im August 2001 stellte Robertson den Software-Anbieter Lindows auf die Beine. Unter demselben Namen bot die Firma eine Distribution von Debian GNU/Linux an. Microsoft sah jedoch seine Rechte an der Marke ‘Windows’ verletzt. Nach einem zweijährigen Rechtsstreit und einem Scheck von Microsoft gab Robertson bei. Lindows wurde in Linspire umbenannt, Robertson gab den CEO-Posten ab.

Mit Ajax gegen Microsoft

Jetzt attackiert Robertson Microsoft jedoch erneut. Sein neues Schlachtross heißt Ajax (Asynchronous JavaScript and XML). Diese Technik gehört zu den Hype-Themen des Jahres. Ajax ermöglicht die asynchrone Datenübertragung zwischen Client und Server. Eine auf dem Server liegende HTML-Seite muss bei einer Client-Anfrage nicht mehr vollständig neu geladen werden. Internetnutzer können Web-basierte Software damit in der gleichen Art und Weise nutzen, wie sie es von Desktop-Programmen gewöhnt sind.

Ajax ist auch das Arbeitsfeld des Software-Unternehmens Ajax 13, das Robertson Anfang 2006 gründete. Die Agenda des Start-ups ist ambitioniert. Es geht um nichts mehr oder weniger, als eine kostenfreie Ajax-basierte Alternative zu Microsoft Office und zu Windows zu entwickeln.

Einige der Programme für die Office Suite stehen bereits online und können getestet werden – derzeit jedoch nur von Anwendern des Browsers Firefox (ab der Version 1.5). Es handelt sich um die Textverarbeitung AjaxWrite, das Kalkulationsprogramm AjaxXLS und das Zeichenprogramm AjaxSketch.

Alle Programme laufen mit den Betriebssystemen Linux, Mac OS und Windows. Sie sind mit dem freien Open Document Format (ODF) kompatibel und werden in den aktuellsten Fassungen zur Verfügung gestellt. Ruft ein Anwender ein Programm auf, wird es jeweils vom Server in den Browser geladen.

AjaxWrite ist nach Angaben des Herstellers 400 Kilobyte groß, die Ladezeit beträgt bis zu sechs Sekunden. Die Software öffnet ein neues Browser-Fenster, in dem Anwender Dateien aus Microsoft Word, OpenOffice, Sun StarOffice und Corel WordPerfect bearbeiten können.

AjaxXLS ist in den Versionen Editor und Viewer erhältlich. Nutzer des AjaxXLS Editor können Dateien aus Microsoft Excel und aus OpenOffice bearbeiten und speichern.

Die Entwicklung dieser Ajax-Programme sei noch in einem sehr frühen Stadium, sagte Robertson in einem Vortrag auf der ‘Desktop Linux Summit’ im Frühjahr 2006. Sie seien kein Ersatz für Microsoft Office. “Wir wollen mit Microsoft gar nicht in Sachen Reichtum an Features konkurrieren.” Es komme darauf an, die wichtigsten Funktionen zu liefern. Wer viele Features brauche, könne die freie Suite OpenOffice benutzen.

Robertson stellte zudem das Projekt Ajax OS vor. Wie er erläuterte, sind AjaxWrite und AjaxXLS Ajax-Anwendungen in einem Browser-Fenster – während Ajax OS die Ajax-Technik tief in das Betriebssystem einbinden soll. Das “Herz von Ajax OS” ist dabei Linspire. Ajax 13 wird an Linspire jedoch Änderungen vornehmen, um es Ajax-fähiger zu machen. Ajax OS beziehungsweise Linspire sollen Ajax-Programme dann wie herkömmliche Desktop-Anwendungen behandeln.

Auf dem Desktop von Ajax OS wird es Verknüpfungen zu AjaxWrite und AjaxXLS geben. Klickt ein Anwender darauf, kann Ajax OS erkennen, dass es sich um Remote-Anwendungen handelt. AjaxWrite und AjaxXLS werden dann geladen – jedoch nicht von der Festplatte, sondern aus dem Web.

Ajax OS ist laut Robertson zudem in der Lage, Media-Typen zu erkennen. Klickt man im Datei-Manager etwa auf eine Microsoft-Doc-Datei, geht Ajax OS online und öffnet die Datei mit AjaxWrite. Der Datei-Manager bietet zudem einen Zugriff auf lokal und auf online gespeicherte Daten.

Das sei es auch, was ein Desktop OS im Wettbewerb mit Microsoft leisten könne – lokale Anwendungen und Web-Applikationen einfach verfügbar zu machen, sagte Robertson. So könne die nächste Desktop-Linux-Generation von Linspire, Novell oder Red Hat sich durch “eine stufenlose Verbindung der Offline-Welt und der Online-Welt” auszeichnen.

Berichte, nach denen Google eine Web-basierte Version von OpenOffice auf den Markt bringen könnte, seien wenig glaubwürdig, so Robertson. OpenOffice sei viel zu umfangreich und könne kaum über das Web zur Verfügung gestellt werden. Wer eine Web-basierte Textverarbeitung anbieten wolle, der müsse von vorne entwickeln – wie das Ajax 13 derzeit mache.