.eu-Vergabe wird zum Desaster

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Eine Petition, die die Vergabe der Domains der EU, .eu, kritisierte, hat einen Achtungserfolg errungen.

Sie wurde jetzt zugelassen und liegt dem Petitionsausschuss des EU-Parlaments zur genaueren Untersuchung vor. Für Daniel Kollinger, Mitinitiator der Petition und Gründer einer Protest-Website, ist damit ein entscheidender Schritt getan. Immerhin, so sagte er gegenüber pressetext, müsse sich der Ausschuss nun gründlich mit den in der Petition angeführten Kritikpunkten und Anschuldigungen auseinandersetzen.

Unabhängig davon haben sich aber jüngst mehrere Parlamentarier der EU der Kritik in weiten Teilen angeschlossen und ihre Unterstützung zugesagt. “Die Annahme der Petition durch den Ausschuss werten wir in jedem Fall als Erfolg für die Initiative und deren Unterzeichner”, erklärt Kollinger. Allein der Umfang des Materials zwinge die Ausschussmitglieder zu einer ernsthaften Untersuchung. “Das ist keine Zwei-Seiten-Petition, die im Schnelldurchgang abgehakt werden kann”, so Kollinger. Auf insgesamt rund 90 Seiten listet die Petition eine Reihe von Fallbeispielen auf, anhand derer die absurde Vergabepraxis rund um die .eu-Domains verdeutlicht werden soll.

Unterstützung erhält die Initiative unter anderem von der britischen liberalen Abgeordneten Diana Wallis, die ihrerseits Licht ins Dunkel rund um die Vorgänge bei der .eu-Vergabe bringen will. “Wenn der Missbrauch nur annähernd so groß ist, wie es im Moment aussieht, haben wir es hier mit einem riesigen EU-Skandal zu tun, für den die Kommission zur Verantwortung gezogen werden muss”, so Wallis. Eine im August dieses Jahres getätigte Anfrage an die EU-Kommission bezüglich spekulativer Domaingeschäfte und absurder Vergaberegelungen hat Wallis zufolge nur wenig zur Klärung der bekannten Vorwürfe beigetragen.

Kollinger hofft unabhängig davon auf eine Änderung der Vergabepraxis zugunsten ursprünglicher Pläne. Durch die .eu-Einführung habe man den europäischen Online-Markt intereuropäisch fördern und somit weltweit stärken wollen. “Durch die konzentrierte Verteilung der Domains auf einige wenige Grabber sind diese Pläne zunichte gemacht worden”, so Kollinger. Die Beweislast sei allerdings erdrückend, sagte er stolz.