Gefälschte Medizin nimmt online überhand

Management

Der Vertrieb illegal produzierter, raubkopierter und gefährlicher Medizin zieht in den USA immer weitere Kreise – das Web könnte diese Probleme schnell auch nach Europa spülen.

Demnach wird die Suche nach verbilligter Medizin im Netz zum russischen Roulette für die Verbraucher. In den USA sind die Gesetze gegen Fälschungen im Medizinmarkt zwar streng, doch Produktionsstätten in armen Ländern sind schwer zu finden. Und die Pillen sind weltweit verfügbar. Experten schlagen Alarm.

Einem Bericht von CNN zufolge ist das Geschäftsmodell mit Medizin, die unter dubiosen Umständen zusammengemischt wurde, im Aufschwung. Der Vertrieb geschieht über Spam-Mails, die sich wesentlich attraktiver geben und billigere Angebote haben als die seriösen Sites. So desaströs die Produktions-Umstände sind – sobald das Fake-Viagra und ähnliches auf den westlichen Markt kommt, ist es vom Aussehen her kaum noch von den Originalen zu unterschieden. Das musste erst kürzlich David Brennan feststellen, der CEO des Pharmariesen AstraZeneca. Er konnte bei einem Test das eigene Produkt für Herzschmerzen nicht von der mitunter gefährlichen Kopie unterschieden.

Kopien enthalten oft zu viele, zu wenige oder gar keine aktiven Inhaltsstoffe, bei Viagra-Produkten aus Thailand waren demnach außer Wodka und Calcium keine Bestandteile gefunden worden, andere Produkte besaßen eine tödliche Dosis eines Wirkstoffes. Diese Substanzen werden – ebenfalls online – weltweit eingekauft, aus China und anderen Ländern.

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kommt dem Bericht zufolge noch hinzu, dass mehr und mehr Patienten die Kosten und Mühen eines Arztbesuchs scheuen, eine gefährliche Selbstdiagnose stellen und im Web irgendetwas Billiges einkaufen. Einer Studie der Columbia University zufolge verlangen nur 11 Prozent aller in den USA erreichbaren Sites ein Rezept für den Einkauf verschreibungspflichtiger Medikamente. Dass demnach 46 Millionen US-Bürger ohne Krankenversicherung leben, treibt dieses Bedürfnis noch an. Der Markt für gefälschte Medikamente wird auf mehrere Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr geschätzt. 15 Milliarden Spam-E-Mails werden pro Tag weltweit mit dubiosen Medikamentfälschungen verschickt, vor denen dringend gewarnt wird.