Die IT schafft Jobs – und keiner will sie

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Für IT-Profis – egal ob auf Jobsuche oder fest im Sattel – war 2006 ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits Entlassungswellen – andererseits der Klagechor aus Unternehmern und Politikern zum Thema Fachkräftemangel.

Besonders die Pleite von BenQ Mobile dürfte Spuren in den Biografien vieler IT-Profis hinterlassen  haben. Im Juli kündigte zudem Sun Deutschland an, acht Prozent der Belegschaft zu entlassen. Auch 2007 wird es Konsolidierungen geben. So will sich Intel von jedem zehnten Mitarbeiter trennen.

Dennoch gilt: bange machen gilt nicht. Das allgemeine Konjunktur-Barometer zeigt nach oben. Die meisten Experten gehen von einem Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahr 2007 aus – von bis zu 2 Prozent ist die Rede.

Der Trend für den IT-Arbeitsmarkt lautet: Arbeit- und Auftragnehmer haben bessere Karten als 2006, wenn sie über gesuchte Fertigkeiten verfügen. Gefragt sind unter anderem Kenntnisse von Open Source Software – deren Einsatz sowohl den Verwaltungen als auch den IT-Dienstleistern Kosteneinsparungen verspricht. Gesucht ist auch Wissen zum Trendthema Web 2.0. Und besonders IT-Service-Spezialisten haben gute Aussichten, eine angemessene Beschäftigung zu finden .

Der Branchenverband Bitkom wird derweil nicht müde, vor einem Fachkräftemangel zu warnen. Vor allem Software-Anbieter und IT-Dienstleister suchen händeringend nach Experten, heißt es. Der Verband hat zudem sechs Bereiche ausgemacht, die sich zu den Jobmaschinen des High-Tech-Sektors mausern könnten: Biometrie, Eingebettete Systeme, Internetfernsehen und mobiles TV, IT Utility Services, Service-orientierte Architekturen sowie digitales Rechtemanagement.

Zwischen Strategie und Show

Bundeskanzlerin Angela Merkel blies kurz vor Jahresende ins selbe Horn und forderte mehr “Freudigkeit an Innovation”. Im Zuge der High-Tech-Strategie der Bundesregierung sei es wichtig, Branchen auszumachen, die in Deutschland künftig für Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze sorgten, und diese dann sinnvoll zu fördern, sagte Merkel beim ersten nationalen IT-Gipfel in Potsdam.

“Es darf nicht Geld mit der Gießkanne gegeben werden, sondern es muss strategisch vernünftig ausgegeben werden.” Für so genannte Leuchtturmprojekte will der Bund insgesamt rund 280 Millionen Euro bereitstellen. Dazu gehören die Entwicklung einer neuen Suchmaschine – das Projekt “Theseus” – und der Technologiewettbewerb “E-Energy”. Hiermit soll Elektrizität effizienter erzeugt, verteilt und genutzt werden.

Die Bundesregierung will auch die EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um die Informationstechnologie auf europäischer Ebene zu fördern. Die IT-Branche selbst sprach sich für eine engere Kooperation mit Wissenschaft und Politik aus. Der Schulterschuss zwischen Forschung und Unternehmen müsse vorangetrieben werden, sagte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Willi Berchtold. “Was wir besser machen müssen, ist die Vernetzung mit den Unternehmen.”

Die Opposition bezeichnete den IT-Gipfel als “reine Show”  – zum Beispiel weil der Mittelstand auf der Gästeliste arg vernachlässigt wurde. Und auch der Bundes-Datenschutzbeauftragte Peter Schaar fühlte sich stellvertretend für alle Angehörigen seiner Zunft stark vernachlässigt. Er meldete sich aber auch ohne offizielle Einladung zu Wort und forderte von der Konferenz, besonders darauf zu achten, dass die Informationsgesellschaft nicht zu einer Überwachungsgesellschaft werde.
 
Feuer und Flamme für Chipkarten 

Diese Gefahr lauert nach seiner Meinung gerade im Bereich eGovernment. Denn die elektronische Modernisierung der Verwaltung liegt 2007 weiter im Trend. War vor kurzem noch von der Einführung einer Jobcard die Rede steht im Januar ‘Elena’ auf der Tagesordnung des Berliner Kabinetts – der elektronische Einkommensnachweis.

Damit sollen Arbeitgeber ab Mitte 2008 Daten über Beschäftigungsdauer und Einkommen der Arbeitnehmer elektronisch an einen zentralen Datenspeicher senden. Bürger, die Anspruch auf Sozialleistungen haben, sollen die Behörden ab 2010 zudem mit einer neuen Signaturkarte ermächtigen, auf den Speicher zuzugreifen. Die Regierung will so den Aufwand für die Ausstellung von Bescheinigungen reduzieren – derzeit sollen sich diese Kosten auf bis zu 60 Millionen Euro jährlich belaufen.

Ein weiteres E-Government-Projekt geht 2007 in die heiße Phase: die elektronische Gesundheitskarte. Die Regierung will Anfang des Jahres neue Testregionen in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz festlegen. Geplant ist, Mitte 2007 mit der flächendeckenden Einführung der Karte zu beginnen.

Das Vorhaben hinkt dem ursprünglichen Zeitplan freilich deutlich hinterher. Die Kosten für die Karte werden auf etwa 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro geschätzt – und wer diese Rechnung zahlen soll, ist noch immer umstritten.