Sun arbeitet an Fortran-Nachfolger

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Fortran hat jetzt von Sun Microsystems einen Nachfolger in Form eines quelloffenen Prototypen bekommen. ‘Fortress’ soll die bereits ein halbes Jahrhundert alte Programmiersprache auf moderne Plattformen hieven.

Sun will die Entwicklung des neuen Ansatzes jedoch nicht ohne die Hilfe der Open-Source-Community bewerkstelligen und hat deshalb das Projekt unter der liberalen BSD-Lizenz freigegeben. Bislang ist der Fortran-Nachfolger noch eine Art ‘Übersetzer’ im frühen Alpha-Stadium, der Code-Zeilen in Fortran lesen und ausführen kann.

Suns größte Herausforderung in diesem Zusammenhang dürfte sein, genügend freiwillige Entwickler hinter das Projekt zu bringen, um es zu einer starken und akzeptierten Plattform zu machen. Sonst droht dem vielversprechenden Projekt ein Schattendasein in hochspezialisierten Projekten. 

Auch nach rund 50 Jahren ist Fortran aus wissenschaftlichen Kalkulationen und dem High-Performance-Computing (HPC) noch immer nicht wegzudenken. Seit 1956 wird die Programmiersprache für wissenschaftliche Berechnungen eingesetzt. Der Name Fortran ist ein Akronym und steht für Formular Translation.

Auch im aktuellsten Standard, ‘Fortran 2003‘, tun sich Programme mit dem parallelen Ansatz der modernen Multi-Core-Prozessoren hart. “Für manche Workloads hat die Computer-Industrie gute Fortschritte gemacht. Google zum Beispiel ist ein paralleles Rechenproblem”, kommentierte Illuminata-Analyst Gordon Haff gegenüber Cnet. Manche Produkte würden sehr gut skalieren, andere hingegen nicht. “Aus solchen Workloads die Parallelität herauszuziehen ist ein großes Problem der Informatik. Es wurden Fortschritte erzielt, jedoch ist das Problem von einer Lösung weit entfernt”, so Haff weiter.

Um in einer parallelen Umgebung verarbeitet zu werden, muss die Software sozusagen in unterschiedliche Stränge aufgetrennt werden, die ein Prozessor dann simultan abarbeitet. Und so versucht auch die ISO Fortran Working Group, kurz WG5, mit entsprechenden Vorschlägen zu dem Standard Fortran 2008 das Problem anzugehen.

Darauf will Sun jedoch offenbar nicht warten. “Weil Multi-Core auch auf gewöhnlichen Desktop-Umgebungen immer wichtiger wird, glauben wir, dass Programmierer sich Sprachen wie Fortress zuwenden werden müssen, um die Vorteile, die die neuen Plattformen bieten, auch nutzen zu können”, erklärte Eric Allen, Projekt-Leiter für Fortress bei Sun.

Neben Intel und AMD, die derzeit den Quad-Core-Prozessor vorantreiben, bietet Sun mit dem Niagara eine CPU, die bis zu 64 Threads simultan ausführen kann. “Fortress ist kein Allheilmittel, aber es erlaubt uns dennoch Programme zu schreiben, die generell besser mit Multi-Core-Architekturen zusammenarbeiten”, so Allen weiter.

Mit Fortress können Entwickler bestimmen, welche Arbeitsschritte parallel ausgeführt werden und welche nicht. Datenbank-Abfragen oder andere Aufgaben, die einen größeren Datensatz auf ein bestimmtes Merkmal hin durchsuchen, können mit Fortress auch parallel abgearbeitet werden.

Zudem soll Fortress laut Sun über ein intelligentes Caching verfügen. Relevante Informationen sollen möglichst nah am verarbeitenden Prozessor gespeichert werden. Das steigert die Performance in Cluster-Systemen mit verteilten Rechnern.

Sun will die Sprache zudem vom Nimbus wissenschaftlicher Software befreien. Auch andere Anwendungsgebiete bieten sich laut Sun mit Fortress an. Allen sieht zum Beispiel ein Customer Relationship Management auf Basis von Fortress. Für Wissenschaftler sei die Software nach wie vor sehr gut geeignet, die dank Fortress ihre Fragestellungen nicht erst in eine Computer-Syntax übertragen müssten. 

Sun jedoch steht mit dem Projekt erst noch am Anfang. Dem Hersteller schwebt neben dem Übersetzer auch noch ein Compiler vor, der die Leistung der Fortress-Programme zusätzlich verbessern soll. Dennoch scheint Suns Projektleiter eine gute Portion Respekt vor dem Vorgänger zu haben: “Es ist schwer sich eine Welt vorzustellen, in der keine Fortran-Programme mehr laufen.” 

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