Experten drängen auf mehr Schutz für europäische Netzwerke

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Um die Sicherheit der IT-Netzwerke in Europa zu gewährleisten, drängen Experten auf eine Verbesserung der europaweiten Zusammenarbeit in diesem Bereich sowie auf gemeinsamen Sicherheitsübungen.

Das geht aus einem Bericht der EU-Kommission über die Sicherheit der IT-Infrastruktur in der Union hervor. Die Untersuchung wurde unter Federführung von EU-Kommissarin Viviane Reding von den Experten von Bell Labs und anderen IT-Dienstleistern durchgeführt. Demnach müssen staatliche Behörden und private Anbieter besser miteinander vernetzt werden.

Die rund 160 Seiten starke Studie soll Interessensvertretern in Europa als Grundlage für weitere Gespräche dienen, als Diskussionsbasis haben die Autoren zehn Empfehlungen aufgelistet. Im Mittelpunkt stehen dabei Verfügbarkeit und Robustheit der Netzwerke, zudem die Bereitschaft von Regierungen und Industrie entsprechende Bemühungen zu unterstützen.

“Die Privatwirtschaft und die Regierungen der Mitgliedsstaaten sollten ihre gemeinsamen Sicherheitsübungen ausweiten und einen Notfallplan zur Wiederherstellung von kritischen Services etablieren, um auf unvermeidbare Notfälle besser reagieren zu können”, heißt es in der ersten und dringlichsten Empfehlung.

Zudem wird ein öffentliches Notfallnetzwerk gefordert, das aber nicht als Ersatz für entsprechende Netzwerke dienen dürfe, die von der Privatwirtschaft bereits eingerichtet wurden. Diese wiederum sollen gegenseitige Zielabkommen beschließen, um die Robustheit der europäischen Netzwerke zu gewährleisten. Auch die Interoperabilität dürfe dabei nicht aus den Augen verloren werden. Die Autoren der Studie empfehlen außerdem, dass EU-Institutionen, Mitgliedsstaaten und Unternehmen ein europaweites Programm ins Leben rufen, das die Abhängigkeiten zwischen dem Kommunikationssektor und anderen sensiblen Bereichen identifiziert.  

Auch im Bereich der Lieferketten zum Aufbau von Netzwerksystemen gebe es Verbesserungsbedarf. “Europäische Institutionen und Mitgliedsstaaten sollten ein konzentriertes Programm verfolgen, um die Integrität der Lieferketten zu fördern, genauso wie die Einführung innovativer Vertrauenskonzepte, um den Betrieb der Netzwerksysteme zu unterstützen”, heißt es in Empfehlung Nummer 6. Es gehe darum, Visionen zu beschreiben und einen Anreiz für Forschung und Entwicklung zu schaffen.  

Auch bei der Entwicklung von Standards sollten die Mitgliedsstaaten der EU mehr zusammenarbeiten, da es leichter sei, mit einer einheitlichen Stimme gemeinsame Interessen durchzusetzen. Dazu gehöre auch eine Auswahl der Standardisierungsgremien, an denen die Mitgliedsstaaten aktiv teilnehmen. Um Konflikte zu vermeiden, müssten sich die Staaten außerdem darüber einigen,welche Standards verfolgt werden.      

Obwohl die Ergebnisse der Untersuchung als Empfehlungen formuliert werden, mahnen die Autoren zu Eile. Europa könne es sich nicht leisten, auf Katastrophen schlecht vorbereitet zu sein, oder dass die sensibelsten Kommunikationssysteme während einer Krise ausfallen. Solche und andere Gefahren könnten nur vermieden werden, wenn die Empfehlungen möglichst schnell umgesetzt werden.

“Diese Studie mahnt europäische Institutionen, Mitgliedsstaaten und der Interessensvertreter der Privatwirtschaft dringend, neue Strategien und Praktiken zu verfolgen und sich mit Nachdruck für eine hochverfügbare und extrem robuste Kommunikationsinfrastruktur einzusetzen.