SAP- und Oracle-Kunden müssen in 2007 gute Change Manager sein

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Für die Anwender von SAP und Oracle in Deutschland stehen in 2007 Migrationen, neue Preislisten und Lizenzfragen auf dem Plan. Verschärft wird dies dadurch, dass große Mittelständler und Konzerne oft beide Welten im Haus haben.

Für die Deutsche SAP-Anwendergruppe (DSAG) stand die Migration von der R/3-Welt auf die neuen ERP-Suiten im Mittelpunkt des Interesses. Demnach ist die Mehrheit der Mitglieder dieses Jahr damit beschäftigt, die intimsten Backoffice-Bestandteile auszutauschen, was nicht ganz einfach werden dürfte. Wenn sie dann noch Oracle-Anwendungen einsetzen, werden die Fragezeichen noch größer.

Die Deutsche Oracle Anwendergruppe (DOAG) hat bei einer Befragung der Mitglieder zu neuen Preis- und Lizenzmodellen für neue und alte Produkte herausgefunden, dass sehr viel Unsicherheit herrscht und die Anwender großteils jetzt mehr zahlen müssen als früher. Seit Dezember 2006 haben sie die Möglichkeit, zwischen drei verschiedenen Lizenzmodellen zu wählen. Doch dabei könnten der Support und die Lizenzen teuer werden und nebenbei sei die Nachlizenzierung nicht ganz unproblematisch, teilte die DOAG mit.

Die Anwendergruppe stellte die neuen Pricings noch einmal zusammen: ‘Component pricing’ ist ein  Preismodell, das nach produktspezifischen Metriken vorgeht und sich für Firmen eignet, die nur einige Produkte oder Funktionen, beziehungsweise unterschiedliche Nutzergruppen haben. Beim Modell ‘Customs Application Suite’ sollten die Anwender viele Nutzer vieler Funktionen vorweisen können. Ihnen wird ein maßgeschneidertes Bündel aus den benötigten Produkten geschnürt.

Bei ‘Enterprise Applications’ wird es allerdings spannend: Nicht nur, dass es sich hier um eine Kombination aus ehemaligen PeopleSoft- und Siebel-Lizenzierungen mit der eigenen ‘E-Business-Suite’-Lizenz handelt. Der Hersteller will die Bezahlung von der Unternehmensgröße abhängig machen – für die es dann unbegrenzte Nutzung für Interne und Externe gibt. Nach Umsatz, Anzahl der Mitarbeiter und den Kosten verkaufter Produkte berechnet, soll ein gerechter Preis entstehen, der allerdings einige Haken aufweist. Schließlich wollen sich die meisten Unternehmen nicht noch mehr in die Hände der großen Hersteller begeben, als dies sowieso schon der Fall ist. Anders ausgedrückt, in den Worten eines Anwenders aus dem Automobilbereich, der bei einer Diskussionsrunde auf der DOAG-Konferenz 2005 sagte: “Manche Dinge gehen nur unsere Bank etwas an.”

Für Oracle sei dabei die Vereinheitlichung der Preismodelle über alle Applikationsgrenzen hinweg entscheidend, erklärt die DOAG in einer Mitteilung die Hintergründe der Vereinfachung. Die Vorteile und Rationalisierungseffekte lägen vor allem bei Oracle. Für die Kunden sei Verhandlungsgeschick auch weiterhin vonnöten. Vor allem, wenn sich im dritten Pricing-Modell beispielsweise ein Unternehmen entschlossen hat, die Zahlen offen zu legen und sich direkt an einer Pricing-Grenze befindet.

Generell gelte: je weniger Umsatz, je kleiner die Firma, desto mehr Rabatt gibt es – ein Zugeständnis an den Mittelstand also. Vor allem kleine Mittelständler genießen damit Vorzüge. Aber: “So kann für ein Unternehmen mit 101 Millionen Euro Umsatz der Lizenzpreis doppelt so hoch ausfallen wie für ein Unternehmen mit 100 Millionen Euro.” Die DOAG empfiehlt daher, die neuen Modelle gründlich durchzurechnen und zu vergleichen, wobei die Minimum-Lizenzierung eine wichtige Frage sei.

Auch die Frage, wo das Unternehmen in Zukunft hin will, sollte die Entscheidung beeinflussen. Bei Migrationen und späteren Preismodellwechseln raten die organisierten Anwender dringend zum Gespräch mit dem Hersteller. Die Situationen vor Ort seien oft zu komplex, als dass es sich die Kunden selbst durchrechnen könnten. Doch durch den starken Wettbewerbsdruck mit der SAP – vor allem seit sich die Kalifornier durch ihre Zukäufe als Anwendungsanbieter aufstellen wollen – dürfte es nach Einschätzung der DOAG auch weiterhin Rabatte in Deutschland geben.

Das ist bei den Anwendern des Konkurrenten allerdings gar nicht die Hauptfrage. Wie die DSAG mitteilte, sind ihre Mitglieder, die organisierten SAP-Anwender in Deutschland, vor allem damit beschäftigt, weniger in die R/3-Umgebungen zu investieren und sich auf Branchenlösungen und den Umstieg auf ‘mySAP ERP 2005’ zu konzentrieren. Nur noch rund ein Prozent der befragten Unternehmen investiert demnach in diesem Jahr in Funktionen rund um R/3, während rund 39 Prozent die umfangreiche Migration auf die neue Plattform vor sich haben. Für rund 47 Prozent erfolgt der Release-Wechsel dabei aus reinen Wartungsgründen. 38 Prozent wollen primär umsteigen, um neue Funktionen einsetzen zu können. Rund sechs Prozent wechseln aufgrund der Enterprise-SOA-Strategie im Unternehmen.

“Die Ergebnisse unterstreichen den generellen Trend hin zu mySAP ERP 2005”, erklärte Alfons Wahlers, Vorstandsvorsitzender der DSAG. “Vor einem Jahr waren Unternehmen großteils in der Planungsphase. Jetzt werden Upgrade-Projekte in Angriff genommen. Darüber hinaus setzen rund 15 Prozent der Mitgliedsunternehmen bereits auf mySAP ERP 2005. Dies spiegelt die Empfehlung der DSAG wider und wird durch aktuelle Release-Stände und Lizenzverträge belegt.”

Laut Umfrage sei der Anteil von Unternehmen, die R/3-Versionen als führende SAP-Lösung im Einsatz haben, von knapp 90 Prozent auf rund 74 Prozent gesunken, während der Anteil von mySAP ERP 2005 von rund drei Prozent auf über 15 Prozent gestiegen sei. Bei den Lizenzverträgen konnte demnach mySAP ERP ebenfalls zulegen und liegt mit knapp 41 Prozent (im Vorjahr noch 39 Prozent) an zweiter Stelle hinter der mySAP Business Suite mit rund 48 Prozent aktuell. Einen SAP-R/3-Vertrag haben lediglich noch rund elf Prozent der Befragten, im Vorjahr waren es 18 Prozent.