Sogar am Arbeitsmarkt ist SAP führend

Management

SAP, SOA und ERP sind die neun Buchstaben, die am häufigsten in Stellenangeboten auftauchen, Java ein Dauerläufer seit Jahren. Auf der CeBIT stehen die Chancen gut, erste Kontakte zu knüpfen.

Wenn am 15. März in Hannover die Messehallen für die CeBIT geöffnet werden, präsentieren die Unternehmen aus der IT-Branche nicht nur ihre neuesten Produkte. Die Betreiber der Messe werten die Veranstaltung zudem als die größte Stellenbörse für den IT-Arbeitsmarkt. An den Informationsständen des ‘Job & Career Market’ können Hochschulabsolventen und Berufserfahrene mit Unternehmen in Kontakt treten, die Personal suchen. In diesem Jahr werden sich mehr Firmen an der Jobbörse beteiligen als im vergangenen Jahr. “Schon Mitte Februar haben sich mehr Unternehmen angemeldet als für die gesamte Messe im vergangenen Jahr”, so Katharina Siebert von der CeBIT. IT-Fachkräfte sind wieder gefragt.

Der Personaldienstleister Adecco wertet für seinen Stellenindex überregionale Tages- und Fachzeitungen aus und hat festgestellt, dass im vergangenen Jahr rund 1300 Stellen mehr für IT-Spezialisten ausgeschrieben waren als 2005. Das entspricht einer Steigerung von über 10 Prozent. Mit knapp 6000 Stellenangeboten haben Beratungsunternehmen etwa die Hälfte aller Stellenangebote geschaltet. Dann folgen mit weitem Abstand die öffentlichen Dienstleister (1677) und die Fertigungsindustrie (1215). Innerhalb der Industriebranchen liegt logischerweise Elektronik/Computer auf dem Spitzenplatz, dann folgt der Maschinenbau und auf Rang drei der Fahrzeugbau.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Branchen, die wachsen, stellen auch ein. Adecco, zugleich Zeitarbeitsunternehmen, liegen mehrere hundert Anfragen von Firmen vor, die IT-Fachkräfte suchen. “Vor allem Service-orientierte Architekturen (SOA), Enterprise Resource Planning (ERP) und Java-Kenntnisse gehören zu den am häufigsten nachgefragten Kompetenzen”, sagt Martin Mahler, Business Line Manager IT bei Adecco. Unternehmen aus der Computerbranche würden ebenso nach IT-Fachpersonal suchen wie Mittelständler und Dienstleister anderer Wirtschaftszweige.

Nicht alle IT-Spezialisten sind Gewinner

Für Adecco ist beispielsweise ein Hochschulabschluss nicht zwingend, um eingestellt zu werden, wohl aber nachweisbare praktische Erfahrung. Deshalb sind nicht alle IT-Spezialisten Gewinner des Aufschwungs am Arbeitsmarkt. “In nahezu allen Stellenanzeigen wird Berufserfahrung verlangt”, weiß Dr. Bernhard Hohn, Fachmann für diese Berufsgruppe bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn. Deshalb profitieren vor allem Leute mit Berufserfahrung von der positiven Entwicklung am Informatiker-Arbeitsmarkt. Absolventen bekommen Pluspunkte, wenn sie vor ihrem Studium eine einschlägige Lehre abgeschlossen oder während des Ausbildung fachnah gejobbt haben.

Parallel zu den Stellenangeboten ziehen die Gehälter in der IT-Wirtschaft an, hat die Vergütungsberatung Personalmarkt herausgefunden. Für einen neuen Hype in der Branche gebe es zwar keine Anzeichen, aber für eine Aufwärtsbewegung, teilt das Unternehmen mit. Die Gehälter von IT-Fachkräften sind 2006 um durchschnittlich 3,2 Prozent gestiegen, die von Führungskräften um 1,1 Prozent. “Der Gehaltsanstieg fällt bei den Managern geringer aus, weil ihre Gehälter bereits in den vergangenen Jahren gestiegen sind”, weiß Tim Böger, Geschäftsführer von Personalmarkt und Projektleiter der ‘Vergütungsstudie Führungskräfte und Spezialisten in IT-Funktionen 2006/2007’.

Top-Verdiener der Branche sind SAP-Berater. Die drei Buchstaben SAP tauchen sehr häufig in Stellenangeboten auf. “Die Markführerschaft von SAP zeigt sich auch am Arbeitsmarkt”, weiß Dr. Soerge Drosten, Partner im Beratungshaus Kienbaum und zuständig für Informationstechnologie- und Telecom-Branche. Sowohl die Industrie als auch Beratungsunternehmen würden SAP-Spezialisten jeglicher Fachrichtung suchen. “Es ist leichter, die berüchtigte Nadel im Heuhaufen zu finden als einen guten SAP-Experten mit Schwerpunkt Business-Warehouse”, berichtet Drosten aus der Praxis.

Erfahrung gefragt – aber die richtige

Und auch Drosten sagt, Berufserfahrung sei das A und O. “Wer fünf Jahre auf dem Buckel hat, dem stehen viele Türen in andere Unternehmen offen.” Je höher die Position sei, umso einfacher könne sie besetzt werden. “Das hat mit der berühmt-berüchtigten Pyramide zu tun”, sagt der Mann von Kienbaum und gelte für jede Stufe: Gruppenleiter wollen Abteilungsleiter werden, und weil es nun mal mehr Gruppenleiter gibt, die Karriere machen wollen, ist die Auswahl größer, um die Abteilungsleiterposition zu besetzen. “Es ist deutlich einfacher, einen Chief Information Officer zu finden, als einen SAP Senior Consultat”, sagt Drosten. Verkehrte Welt.

Welches Know-how die Unternehmen brauchen, zeigt beispielsweise die Schulungsnachfrage. Wolfgang Fehleisen, beim Trainingsanbieter Unilog für das Produktportfolio zuständig, zählt auf: “In der Anforderungsanalyse stellen wir eine Konzentration auf SOA fest, beim System-Management wächst die Nachfrage nach ITIL weiter, vor allem in der Vertiefung Service Manager. Im Projektmanagement liegt der Schwerpunkt bei höherwertigen und praxisnahen Zertifizierungen wie internationalen PMI-Zertifizierungen.” In der IT-Sicherheit habe sich die Nachfrage in den vergangen zwei Jahren fast verdoppelt und bei den Angeboten für die SAP-Module BI (Business Intelligence) und CRM (Customer Relationship Management) sei die Nachfrage so groß, dass es schwierig sei, genügend Trainer bereitzustellen.

Derzeit stellen vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen IT-Fachkräfte ein. Internationale Großkonzerne stagnieren bei den Beschäftigtenzahlen und werden möglicherweise tendenziell reduzieren, teilt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) mit. Im Dezember 2006 hat der Verband seine Mitgliedsunternehmen gefragt, welche Qualifikationen und welches Know-how benötigt wird. Zwei Drittel fordern einen Hochschulabschluss als Eingangsqualifikation, inhaltlich stehen Software-Technologien oftmals im Zusammenhang mit mobilen Technologien im Vordergrund.

Branchen-Know-how ist wichtig

“Eine wachsende Zahl von Jobs entstehen durch den Trend zu Application Service Providing (ASP) und Outsourcing, so dass sich viele Arbeitskräfte mit neuen Arbeitsformen auseinandersetzen müssen”, weiß Dr. Stephan Pfisterer, zuständig für Arbeitsmarktfragen im Verband. Im Zuge dieses Umbruchs in Richtung Service-Oriented Architecture (SOA) werden zunehmend Business Engineers nachgefragt, die spezifisches Branchen-Know-how mit detaillierten IT-Architektur-Kenntnissen verbinden. Für die IT-Administration und den Entwicklungsprozess werden nach Angaben des Branchenverbandes seit Jahren regelmäßig und stabil Mitarbeiter gesucht.

Pfisterer nennt die CeBIT eine gute Chance, sich über Angebote und Profile der potentiellen Arbeitgeber zu orientieren, erste Kontakte zu knüpfen und zu erfahren, welche Themen die Firmen bewegen. “Sollte Interesse an einem bestimmten Unternehmen bestehen, ist es ratsam, schon vor der Fahrt nach Hannover in Erfahrung zu bringen, ob Personaler am Stand sind und gegebenenfalls einen Termin vereinbaren”, rät der Verbandsmann. Eine vorgefertigte Bewerbungsmappe im Gepäck sei allerdings unnötiger Ballast: “Die meisten Firmen der Branche konzentrieren sich inzwischen auf ein elektronisches Bewerbungsmanagement”, weiß Pfisterer. Auch bei der Bewerberauswahl geht es schließlich um Synergien und effiziente Datenverarbeitung.