Hardware-Entwicklung ist ein lukratives Geschäft

Pünktlich zum Beginn der CeBIT präsentiert die IG-Metall ihre Studie ‘Entgelte in der ITK-Branche 2007’. Mit über 26.000 Nennungen steht das Werk auf einer breiten empirischen Grundlage. Die Daten wurden im vierten Quartal 2006 erhoben und stammen sowohl aus tarif- wie auch nicht tarifgebundenen Unternehmen.

Um einen besseren Überblick zu schaffen, wurden verschiedene ITK-typische Tätigkeiten 16 Jobfamilien zugeordnet. Neu aufgenommen wurden die beiden Bereiche Projekt- und Service-Management. Damit trägt die Gewerkschaft der aktuellen Entwicklung Rechnung: beide Berufsgruppen werden am Markt stark nachgefragt.

Die Entgelte basieren auf der Grundlage einer 35-Stunden-Woche. Mit berücksichtigt wurden vertraglich festgelegte Bestandteile wie Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalt und Jahressonderzahlungen. Zu jeder Jobfamilie enthält die Broschüre Angaben zu Überstundenvergütungen, Anteil Frauen/Männer, Betriebszugehörigkeit und Alter der Beschäftigten in den teilnehmenden Betrieben. Die Gehaltsangaben sind gestaffelt vom Einsteiger bis zum leitenden Angestellten.

Hardware entwickeln lohnt sich

Bei den Vergütungen zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Die meisten Jobgruppen konnten insgesamt von Erhöhungen profitieren. Vor allem in den oberen Bereichen sind die Gehälter gestiegen, die unteren mussten zum Teil erheblich Federn lassen.

Gewinner beim Einkommen ist die Hardware-Entwicklung. Im Durchschnitt sind die Gehälter um 10,3 Prozent gestiegen. In den unteren Jobgruppen lag der Zuwachs bei bis zu 20 Prozent. Ein Junior-Hardware-Entwickler steigt im Schnitt mit einem Anfangsgehalt von rund 50.000 Euro ein. Als Senior hat er bereits 61.000 Euro, als Gruppenleiter 75.000 Euro und als Leiter der Abteilung 86.000 Euro Jahreseinkommen.

Während beim Gruppenleiter neben langjähriger Berufserfahrung zusätzlich einschlägige Kenntnisse im Projektmanagement sowie umfassende technische Spezialkenntnisse erwartet werden, braucht der Leiter der Entwicklung betriebswirtschaftliches Know-how und Kenntnisse in Sachen Personalführung. Hardware-Entwickler sind mit rund 20 Jahren Betriebszugehörigkeit über alle Hierarchiestufen sehr firmentreu und wahrscheinlich ordentlich beschäftigt. Zwischen 1995 und 2005 hat sich die Wertschöpfung bei ITK-Hardware auf über 13 Milliarden Euro fast verdoppelt, meldet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).

Berater stagnieren auf hohem Niveau

Zu den Verlierern bei den Gehaltssteigerungen zählen neben den Einsteigern vor allem IT-Berater. Nach Steigerungen von über 50 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, war damit 2006 Schluss. Innerhalb der letzten beiden Jahre konnte dieser Bereich nur noch einen Zuwachs von 5,3 Prozent verbuchen. Aber: die Gehälter stagnieren auf hohem Niveau. Ein Junior-Berater bekommt 43.000 Euro, ein Senior 70.000 Euro.

Was an diesen Ergebnissen verwundert, ist die Tatsache, dass Berater die begehrtesten Mitarbeiter sind. Beratungsunternehmen haben 2006 etwa die Hälfte aller Stellen für IT-Personal ausgeschrieben, hat der Personaldienstleister Adecco in seinem Stellenindex herausgefunden. Dazu wurden die Stellenangebote in überregionale Tages- sowie Fachzeitungen ausgewertet.

Derzeit gibt es in der ITK-Branche etwa 20.000 offene Stellen, überwiegend bei Anbietern von Software und IT-Services, weiß der Bitkom aus Untersuchungen. Und weil knappes Gut bekanntlich teuer ist, sind auch die Gehälter in diesen Berufsgruppen ordentlich. Vom Boom in der Software-Entwicklung profitieren aber vor allem Top-Spezialisten und Führungskräfte. Deren Einkommen liegen bei einem Viertel der Jobfamilien-Mitglieder höher als 115.000 Euro und weisen eine Steigerung von 21 Prozent aus. Über den gesamten Bereich liegt das Einkommensplus bei 6,2 Prozent. Die Betriebszugehörigkeit ist mit etwa 15 Jahren deutlich geringer als bei den Hardware-Kollegen.

Beim Service-Management gibt es noch keine Vergleichsdaten, weil diese Gruppe neu in die Studie aufgenommen wurde. Aber es gibt absolute Einkommenszahlen, beginnend vom Junior-Service-Manager (44.500 Euro) bis hin zum Senior (80.500 Euro). Zu den Aufgaben eines Seniors gehört die Betreuung von strategischen Kunden, das Erstellen von Angeboten, das Reporting und die Verbesserung der Service-Levels.

In der zweiten neuen Berufsgruppe, dem Projekt-Management, liegt das Einstiegsgehalt im Durchschnitt bei 53.500 Euro, der Mittelwert für erfahrene Projektleiter bei 86.000 Euro.

Einbußen im Rechenzentrum

Nach den kräftigen Erhöhungen der Entgelte im Jahr 2006 ist das Wachstum innerhalb der Berufsfamilie Rechenzentrum mit 1,9 Prozent bescheiden ausgefallen. Die unteren Berufsgruppen haben zum Teil erhebliche Einbußen von 6 und 10 Prozent hinnehmen müssen. Leiter von Rechenzentren gehören mit einem gemittelten Einkommen von fast 100.000 Euro immer noch zu den Spitzenverdienern. Einem Systemingenieur werden rund 65.000 Euro Jahresgehalt überwiesen.

Spitzenverdiener im Ranking sind die Vertriebschefs in der ITK-Branche. Ihr Durchschnitt liegt bei etwa 130.000 Euro. Bis auf die Einsteigergruppe, in der im Jahresvergleich ein leichter Rückgang zu verzeichnen war, lagen die Steigerungen zwischen 4 und 11 Prozent, im Schnitt bei 4,5 Prozent. Im Vertrieb sind variable Gehaltsbestandteile traditionell am bedeutendsten. In der ITK-Branche liegt deren variabler Anteil am Gesamtgehalt bei einem Drittel. Danach folgen Engineering und Consulting mit jeweils 15 Prozent.

Variable Gehaltsbestandteile, meist abhängig vom Unternehmenserfolg oder der individuellen Zielerreichung, werden in allen Jobfamilien bezahlt. Die Tendenz dabei ist eindeutig: je höher ein Mitarbeiter in der Hierarchie, umso größer ist der erfolgsabhängige Anteil am Einkommen. “Es wäre auch nicht korrekt, das Gehalt Berufsunerfahrener zu einem hohen Prozentsatz vom Erfolg abhängig zu machen”, sagt Ingrid Mai von der IG-Metall und Autorin der Studie.

Die IG-Metall-Studie kann im Buchhandel oder online zum Preis von 12,90 Euro zuzüglich Versandkosten bestellt werden.

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