Kommunale IT-Dienstleister sehen sich benachteiligt

E-GovernmentManagementRegulierung

Vitako, die Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister, hat das Innenministerium kritisiert.

Dessen Dokument ‘Standards und Architekturen für E-Government-Anwendungen’ (SAGA) in der Version 3.0 sei kein Standard für Projekte auf kommunaler Ebene, hieß es.

“Eine konsequente Umsetzung von SAGA 3.0 würde große Teile der heutigen IT auf kommunaler Ebene in Frage stellen”, sagte Matthias Kammer, Vorstandsvorsitzender von Vitako. Für Bundesbehörden gebe das Dokument Anregungen für die Konzeption und die Ausschreibung. Im kommunalen Bereich sei das Handbuch dagegen nur bei Großprojekten mit hohen Anforderungen an offene Systemarchitekturen und Interoperabilität uneingeschränkt anwendbar.

Für kleinere und mittlere IT-Projekte, für Projekte deren Ergebnisse für weniger als fünf Jahre genutzt werden sowie für Projekte, die keine Nutzung durch mehrere Kommunen vorsehen, sei eine standardisierte Anwendung von SAGA nicht zu empfehlen, so Kammer. “Selbst für umfangreiche Projekte im kommunalen Umfeld wird es in vielen Fällen langwierig und teuer sein, aus SAGA 3.0 das für das eigene Projekt Relevante herauszufiltern.” Schon für die Bewertung der Frage, ob es sinnvoll sei, SAGA einzusetzen, müssten fast dreitausend Textseiten bearbeitet werden.

Die SAGA-Autoren hätten sich zum Beispiel auf offene Standards als Zielsetzung festgelegt. Offene Lösungen seien aber –  besonders für kleinere kommunale Projekte – nicht per se wirtschaftlich. Die weitgehende Festlegung auf Java – und PHP als Empfehlung – gehe ebenfalls vielfach an der “kommunalen Realität” vorbei. In dieser komme häufig Visual Basic, Excel und Access zum Einsatz. Verwaltungen mit einer Microsoft-Strategie müssten die Anwendung von SAGA vermutlich als unwirtschaftlich ablehnen.

“Kommunen sollten SAGA-Kriterien nicht pauschal als Bestandteil von Ausschreibungen verwenden”, so Kammer. Die von SAGA 3.0 verfolgten Ziele, wie die Gewährleistung medienbruchfreier Informationsflüsse, seien natürlich auch kommunale Themen. “Auch gegen die Skalierbarkeit von Anwendungen oder die Einbindung offener Standards ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Man darf aber dabei die kommunale Realität nicht aus den Augen verlieren.”