‘Wer sich nicht ändert, muss gehen’

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Der Deutschland-Chef von BMC Software spricht im silicon.de-Interview über Open Source, den Rivalen Opsware und die Industrialisierung der IT.

BMC Software wurde 1980 gegründet. Der Anbieter von Lösungen für das Enterprise Management setzte 2005 weltweit 1,46 Milliarden Dollar um und hat etwa 6000 Mitarbeiter – davon 200 in Deutschland.

Olav Strand ist seit Februar 2007 Geschäftsführer von BMC Deutschland. Bei BMC ist Strand seit dem Jahr 2000. Zuvor war er bei Oracle für den Vertrieb von ERP-Tools zuständig und leitete die Hamburger Niederlassung von Baan.

silicon.de: Was sind Ihrer Meinung nach die aktuell wichtigsten Anforderungen an die IT?

Strand: Aus meiner Sicht lassen wir die ausschließlich finanzgetriebenen Anforderungen an die IT – sparen, sparen, sparen – hinter uns. Heute geht es darum, die Auslastung, die Qualität, den Service und die Verlässlichkeit der IT zu steigern.

Wichtige Themen sind etwa Mobilität, Green IT, Lean Management und Sourcing – das sind alles Aspekte der Industrialisierung der IT. Für mich ist es unverständlich, dass dieses Thema in den vergangenen zwei Jahren durch andere Hype-Themen wie SOA ins Hintertreffen geraten ist.

silicon.de: Wird SOA überbewertet?

Strand: Natürlich unterstützen wir Innovationen wie SOA. Doch wenn ich mir anschaue, dass manche Rechenzentren nur zu 15 Prozent ausgelastet sind, scheint es mir so, als hätten wir im IT-Betrieb manche Hausaufgaben noch nicht gemacht.

Für mich ist die IT eine Produktionsstraße. Am Ende dieser Produktionsstraße steht ein Produkt, das Information beziehungsweise Informationsverarbeitung heißt. Wenn die Produktionsstraße IT-Betrieb nur zu 15 Prozent ausgelastet ist, so ist das für mich im Vergleich zu anderen Branchen nicht tragbar.

In diesen Branchen hat der Einsatz des Lean Management zu Innovationen und Rationalisierungen geführt. Es ist an der Zeit, diesen Ansatz auch in die IT zu übertragen. Das unterstützen wir mit unserem Konzept des Business Service Management. Dieses betrachtet den IT-Betrieb ganzheitlich aus der Prozesssicht und liefert damit eine Art Leitstand, von dem man die Produktionsstraße IT steuern kann.

silicon.de: Nach einer Studie von Forrester Research stößt das von Ihnen propagierte Business Service Management bei etwa 50 Prozent der Anwender auf Widerstände. Warum?

Strand: Das liegt vor allem an einer Skepsis in Bezug auf Veränderungen. Was wir in der IT derzeit kaum haben, sind prozessübergreifende Produktionsweisen. Wenn das Business Service Management in einem Unternehmen eingeführt wird, ändern sich die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsprozesse, die Organisationsstrukturen und eventuell auch die Hierarchien. Das bedeutet viel Veränderung – und das löst manchmal negative Gefühle aus. Dennoch kommt es darauf an, in der IT neue Wege zu gehen. Das Business Service Management ist einer von ihnen.

silicon.de: Ende Mai wurde die ITIL Version 3 veröffentlicht. Was halten Sie davon?

Strand: Wir haben als eines von wenigen Unternehmen an ITIL v3 mitgearbeitet. ITIL ist uns sehr wichtig und wird in unseren Produkten unterstützt. Ich denke aber nicht, dass die Anwender jetzt panikartig auf die neue ITIL-Version umschwenken sollten. Das ist eher ein evolutionärer Prozess.

silicon.de: Opsware – ein jüngerer Anbieter von IT Infrastruktur Software – sagt, die Tools von BMC, CA, HP und IBM seien nicht mehr zeitgemäß, da sie in den 80er Jahren entstanden. Ihr Kommentar?

Strand: Für unserer Hauptzielgruppe Großunternehmen haben wir sowohl klassische agentengestützte Lösungen als auch neue agentenlose Versionen im Angebot. Zudem verstärken wir uns immer wieder mit neuen Technologien. So wollen wir ProactiveNet übernehmen – eine Firma, die in unseren Augen wesentlich moderner ist als Opsware.