Virtueller Streit führt zu realer Rache

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Als er im Internet als “Nerd”  (Computerfreak) bezeichnet wurde, brannten bei einem Feuerleitoffizier der US-Marine die Sicherungen durch: Er fuhr mit dem Auto von Virginia bis nach Texas, um den Wohnwagen seines Kontrahenten in Brand zu stecken.

Wie Associated Press berichtet, machte der Rachsüchtige, Russell Tavares, auf der gesamten Strecke Fotos von den Willkommensschildern an allen Staatsgrenzen, die er überquerte. Die Fotos stellte er ins Internet, um seinem Internet-Bekannten klarzumachen, dass er es ernst meinte. An dessen Wohnort angekommen, tauchte er einen Schwamm in Benzin und zündete damit den Wohnwagen des anderen an.

Letzte Woche wurde der 27-Jährige zu sieben Jahren Haft verurteilt, nachdem er die Brandstiftung gestanden hatte. Die Tat wurde bereits 2005 begangen, und der mehrfach ausgezeichnete Waffenspezialist ist zwischenzeitlich aus der US-Marine entlassen worden. “Ich glaube nicht, dass irgendjemand so dumm sein kann, jemanden wegen eines Internet-Streits töten zu wollen”, sagt das Opfer John G. Anderson, der eine Rauchvergiftung erlitten hat, als er versuchte, den Brand zu löschen. An seinem Wohnwagen und seinem Computer entstand damals ein Sachschaden von 50.000 Dollar.

Der Streit begann, als Anderson, der im texanischen Waco eine Geisterbahn betreibt, auf einer Bildertauschseite seine Fotos publizierte und seine politische Meinung kundtat. Nachdem er mehrere Leute von seiner Seite verbannt hatte, weil sie ihn – so Andersons Auffassung – beleidigt hatten, stellte Anderson schließlich eine Fotomontage ins Netz, auf der einer seiner Kontrahenten, Tavares, als schmächtiger Junge mit Laptop und Gewehr dargestellt war und überschrieb sie mit “Rache der Nerds”.

Tavares fand daraufhin Andersons Adresse heraus, verließ seinen Posten in einem Ausbildungszentrum in Virginia und fuhr 1300 Meilen – etwa 2100 Kilometer – bis Texas. Ursprünglich hatte er vor, Anderson mit einer Schrotflinte zu bedrohen und dann auf seinen Computer zu schießen, entschied sich dann aber doch für Brandstiftung.

Mit dem Gerichtsurteil von letzter Woche scheint die Geschichte aber noch lange nicht ausgestanden zu sein. Anderson berichtet von nächtlichen Klopfattacken gegen seinen Wohnwagen und fand Einschusslöcher in seiner Bürotür. Er plant jetzt, sich mit einem Stacheldrahtzaun um sein Grundstück zu schützen.