Chaos im Markt für Unified Communications

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Irgendwo zwischen ernsthaften Produktansätzen, Marketing und idealen Vorstellungen bewegt sich derzeit der Markt, der IP-basierte Technik, Hardware, Software, Collaboration und Web 2.0 umfasst – Unified Communications.

Die Konsolidierungswelle der vergangenen Monate, Mergers & Acquisitions in Nordamerika sowie die neuen Partnerschaften der vergangenen Tage, die auch Europa in besonderem Maß betreffen, könnten die Kunden verunsichern. So sei für die meisten zunächst einmal Abwarten das Gebot der Stunde, bevor sie ihre Nebenstellenanlagen (PBX) durch etwas Neues ersetzen.

Dies Abwarten werde den Markt bestimmen, obwohl die Technik ausgereift ist und eine passable Akzeptanzkurve aufweist. Das ist die Ansicht von Blair Pleasant, Analyst bei dem US-Beratungshaus COMMfusion, die er anlässlich der Konferenz VoiceCon äußerte. Demnach werde sich die Ausrollphase auf eine neue Stufe zu bewegen, von der Akzeptanz bei Frühnutzern hin zum allgemeinen Einsatz. Zwischen dem Jahr 2010 bis 2012 soll Unified Communications zur Mainstream-Einrichtung vieler Anwenderunternehmen werden, sagte er.

Dafür muss sich der Markt aber zunächst wieder beruhigen, die Kunden müssen wieder wissen, wo sie welche Lösungen erhalten und welche der teilweise recht verschiedenen Ansätze zusammen eingebaut werden können. Beziehungsweise, womit sie sich eine unerfreuliche, kostenintensive Dauerbaustelle ins Haus holen. Außerdem habe sich noch nicht gezeigt, wie der “Marktreißer” Microsoft sich mit seiner eigenen Unified-Communications-Lösung positionieren wird, und welche Firmen sich in diesem Zuge zusammenfinden. Treffen genügend große Anbieter im Kielwasser von Redmond zusammen, so kann man schließlich von einer starken Bestimmung eines Teilmarktes sprechen. Für dieses Jahr sah der Analyst allerdings vor allem erste Pilotprojekte, die in kleineren Bereichen versucht werden. Hier könne beispielsweise Collaboration-Software mit IP-basierter Kommunikation oder anderen Kommunikationsformen wie E-Mail zusammengeführt werden.

Wenn es nach den großen Marktspielern geht, müssen sich die Anwender allerdings sehr beeilen, auch unternehmensweit mit Unified Communications zu starten. Da hilft vielleicht ein positiver Bericht aus Partnerunternehmen. Mark Sunday, CIO des kalifornischen Softwarekonzerns Oracle, sprach auf derselben Messe begeistert von Unified Commmunications. Der Konzern hat die finanziellen Möglichkeiten, zu den Early Adopters zu gehören und verfügt daher bereits über drei Jahre intensiver Erfahrung.

Unified Communications habe, so sagte er, die Integration der nahezu 30 neu zugekauften Firmen – darunter Klöpse wie Siebel und Peoplesoft – in den Konzern deutlich beschleunigt. Die damit einhergehende Standardisierung und Zentralisierung der Kommunikationssysteme habe der Firma erlaubt, Millionen von Dollar einzusparen, eine weiter verstreute Belegschaft anzubinden. Und dabei konnte er den Personalstand der Abteilung, die sich mit Sprach- und Datenkommunikation konzernweit befasste, um 6 Prozent zu reduzieren. 75 Prozent der TK-Systeme sind ihm zufolge heute auf Voice over IP (VoIP) migriert, Tendenz steigend.

Von großen Anbietern wie Siemens, Cisco, IBM als neuem Siemens-Partner und den Softwareanbietern sind bereits Lösungen auf dem Markt. Verizon plant, mit einem neuen integrierten Paket für Unified Communications den Markt zu überrollen. Es handelt sich um einen UC Hub, der die flexible Ansteuerung verschiedener Protokolle und Kommunikationsmedien erlauben soll. Integriert in IBMs ‘Lotus Sametime’ – ähnlich wie die gestern angekündigte integrierte Siemens-PBX-Lösung – soll die Lösung zum Kunden kommen.

Doch ganz so schnell dürften die Anwender nicht zugreifen. Analyst Blair Pleasant sprach in San Francisco von einer graduellen Akzeptanzkurve. Rasant dürften sich, mit Blick auf die Herstelleranstrengungen, nur deren Impulse im Markt entwickeln. Schließlich will die Industrie an der prognostizierten, langsamen Umstellung etwas ändern.