Blu-Ray versus HD-DVD: Schädliches Rangeln um Standards

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Auf der IFA in Berlin wird wieder einmal um die Nachfolge der CD gerungen. Tatsächlich wird der seit Jahren gärende Streit zunehmend unverständlicher und fängt an, allen beteiligten Firmen zu schaden.

Angeheizt wurde der Konflikt im Vorfeld der IFA (Internationalen Funkausstellung) diesmal vom Lager der HD-DVD-Anhänger rund um Toshiba und Microsoft. Die im Vergleich mit der Blu-Ray-Konkurrenz nicht gerade rosigen Absatzzahlen sollten durch die Erfolgsmeldung aufgepeppt werden, dass die Filmstudios Paramount und deren Tochter Dreamworks wie zuvor schon die Universal Studios auf HD-DVD eingeschwenkt sind. Bislang hatten sie wie Time Warner beide Formate unterstützt. Auf der IFA selbst erklärte Toshiba den Mitbewerbern zudem den Preiskrieg: Man wolle im Weihnachtsgeschäft HD-DVD-Player für 299 Euro auf den Markt und damit die rund 500 Euro teuren Blu-Ray-Geräte aus der Erfolgsbahn werfen.

Marktbeobachter halten das Ringen um einen einzigen siegreichen Standard an sich für überflüssig und die nun eingeschlagenen Methoden für kontraproduktiv. Denn, falls die Gerüchte stimmen, zahlt Toshiba Paramount für seine HD-DVD-Entscheidung rund 150 Millionen Dollar, gefährdet mit dem Weihnachtsausverkauf seine Gewinnmarge und verpasst zudem der HD-DVD den Ruf einer Technik, die schon verramscht wird, bevor sie richtig am Markt ist.

Zudem setzt sich die HD-DVD nicht schon deshalb durch, weil man sich in die Filmindustrie einkauft – zumal  Warner, Disney und Twentieth Century Fox nach wie vor im gegnerischen Lager stehen. Neben Filmen spielen als Inhalte auch Computerprogramme, Spiele und Musik eine wichtige Rolle. Hinzu kommen die Hersteller der verschiedenen Geräte wie Kenwood, Philipps, Sharp oder Yahama, sowie die Produzenten der Scheibe selbst (etwa BASF und TDK), die oft dem Blu-Ray-Lager zuzurechnen sind. Dort finden sich auch viele renommierte Namen der Computerindustrie wie Apple, Dell, Sony und Sun.

Außer Acer, Toshiba, Corel und Microsoft und die schon genannten Filmstudios hat die HD-DVD-Gruppe unter den bekannten Firmen nur wenige überzeugte Anhänger aufzuweisen. LG und Samsung führen längst Geräte, die beide Standards unterstützen. Auch Canon, HP, Hitachi, Lenovo, Mitsubishi, Nec und Co. halten es zurzeit mit beiden Techniken. 

Entsprechend weit vorne liegt Blu-Ray derzeit vor der HD-DVD. Bis Mitte August 2007 sind rund 2 Millionen Blue-Ray-Disks verkauft worden, 1,7 Millionen davon allein in der ersten Jahreshälfte 2007. Rund 66 Prozent aller neuen Disktechniken fällt auf Blu-Ray, in Europa sind es 70 Prozent. Da sich noch weitere Techniken auf dem Markt tummeln, dürfte der Anteil der HD-DVD also deutlich unter 44 Prozent liegen.

Hat also das Blu-Ray-Lager im Sony, den Standard schon im Sack? Nicht unbedingt. Die jetzigen Aktionen von Toshiba zeigen, dass die Anhänger der HD-DVD nicht kampflos aufgeben. Zudem zittert die halbe Industrie  – aus Erfahrung – vor der Frage, welche Asse ein Konzern wie Microsoft noch aus dem Ärmel zaubern könnte. Und schließlich trifft die Preissenkung das Blu-Ray-Lager dort, wo es weh tut. Zu den Nachteilen der Sony-Technik gehört, dass sie in der Herstellung teurer kommt als die HD-DVD.

Auch tut man sich schwer, den von Toshiba angekündigten Preiskampf als unfair anzuprangern, schließlich hat auch Sony erst die Preise für seine Playstation 3 gesenkt. Die Spielekonsole ist immerhin für mehr als 90 Prozent der Verkäufe von Blu-Ray-Scheiben verantwortlich.  Aber auch Microsoft hat eben erst den Preis seiner Xbox-Konsolen gesenkt. Wer also hat angefangen?

Überhaupt erinnert die ganze Auseinandersetzung nicht nur an einen Kindergarten-Streit, sondern auch an die Diskussionen der 70er-Jahre um die Videoformate VHS, Betamax und Video 2000, die bekanntlich zugunsten von VHS ausgingen. Diesmal könnte es jedoch wie das Hornberger Schießen, nämlich ohne Sieger, enden. Es sieht so aus, als würden die Gegner sich so lange bekriegen, bis keiner mehr Geschäfte mehr mit silbernen Scheiben machen kann, weil die Anwender Spiele, Musik, Filme und Programme längst über Breitbandnetze austauschen. Dann bliebe nur der Nischenmarkt der Sicherungskopien, um die im Standardisierungsringen verpulverten Gelder zurückzuverdienen.