Streit um MPLS gefährdet weltweite Kommunikation

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Ein neuer Satz an Standardisierungsvorschlägen für Multi Protocol Label Switching (MPLS) entzweit die Gremien.

Während die Internet Engineering Task Force (IETF) davon spricht, dass die Vorschläge die Interoperabilität der Technik auf lange Zeit hin gefährde und damit letztlich das Internet angreife, erhofft sich die seit 1947 an die Vereinten Nationen angelehnte Organisation International Telecommunications Union (ITU) eine Lösung vieler Fragen durch die Standardvorschläge.

Dabei wird versucht, MPLS – ursprünglich für die Paketinformationen in einem IP-Netzwerk und damit für Fragen wie Quality of Service oder Priorisierung geeignet – über ein Ethernet-Netzwerk laufen zu lassen. Die Technik soll im Netz der Service-Provider zum Einsatz kommen. Die Konzerne Alcatel-Lucent , Ericsson, Fujitsu und Tellabs haben sich bereits dahinter gestellt. Was die IETF daran stört, ist dass sie Interoperabilitätsprobleme heraufziehen sieht, die die Millionen Dollar, die Carrier und Netzausrüster in den Backbone gesteckt haben, vernichten könnte. Technisch gesehen sei es so, dass die bestehende MPLS-Technik, die vor allem von der IETF und ihren Mitgliedern entwickelt wurde, bestimmte Parameter auf den Forwarding, Management und Control Planes verwendet. Diese sollen denen, die die ITU-Standardvorschläge verwenden sollen, sehr ähnlich sein, so dass eine Verwechslung nicht ausgeschlossen werden könne.

Die Gremien können sich zwar keine Urheberrrechtskämpfe liefern, wie viele Konzerne es tun, aber sie stellen Interoperabilitätsfragen auf. So sei eine Verwechslung der alten Standards und der neuen Standards auf ein- und demselben Netz vorprogrammiert, ein “katastrophales” weltweites Kommunikationschaos sei die Folge.

Die ITU wiegelte ab und erklärte gegenüber der US-Presse, dass die Techniken gar nicht aufeinander träfen, da die neuen Standards – genannt T-MPLS – im Netz der Serviceprovider verblieben und die alten im Bereich der Unternehmensnetze und Anwender. Die ITU bezeichnete die Reaktionen der IETF als unvermeidliche Grabenkämpfe. Es geht um die Vorherrschaft als Gremium über die Glasfaserinfrastruktur der Welt. Am 10. September trifft sich die Arbeitsgruppe der ITU in Stuttgart und hat zur Aussprache und Klärung auch Vertreter der IETF eingeladen. Erste Entscheidungen werden nicht vor Februar 2008 erwartet.