Interview: Das Mittelstandsgeschäft wächst weltweit am stärksten

Management

Thomas Fell, Geschäftsführer des Bereiches Mittelstand bei IBM Deutschland, spricht im silicon.de-Interview über die aktuellen Herausforderungen für die IT des Mittelstandes.

Der Diplom-Kaufmann verantwortet seit Mai 2007 das Mittelstandsgeschäft von IBM Deutschland. Zuvor leitete Fell, Jahrgang 1968, den Geschäftsbereich Handel, Dienstleistungen, Transport und Touristik bei IBM Deutschland.

silicon.de: IBM macht weltweit 20 Prozent seines Umsatzes mit dem Mittelstand. Wie wichtig ist der Mittelstand für IBM Deutschland?

Fell: Diese Zahl kann ich bestätigen. Für IBM weltweit und IBM Deutschland ist der Mittelstand ein sehr wichtiger Geschäftsbereich. Es ist das Geschäftsfeld, das weltweit derzeit am stärksten wächst. Wir wollen unseren Anteil an diesem Markt ausbauen.

silicon.de: Sie haben früher im Großkundengeschäft von IBM gearbeitet. Wie unterscheidet sich das Geschäft mit dem Mittelstand vom Großkundengeschäft?

Fell: Im Gegensatz zu den Großunternehmen sind die Mittelständler eher auf der Suche nach pragmatischen, vorkonfektionierten Produkten zu einem Preis, der es ihnen erlaubt, die Lösung zu implementieren. Hier sehe ich unsere Aufgabe als Hersteller – diese Produkte für den Mittelstand zu konfektionieren und zu vermarkten.

Für mich ist es auch sehr spannend zu sehen, dass die mittelständischen Firmen in vielen Bereichen ähnliche Anforderungen an die IT haben wie große Unternehmen. Ich meine damit vor allem die Anforderungen an die Systemverfügbarkeit, die Skalierbarkeit und die Sicherheit.

Immer mehr mittelständische Firmen sind zum Beispiel wie große Unternehmen weltweit vernetzt, agieren mit ihren Lieferanten rund um den Globus und sind damit den gleichen Sicherheitsgefahren ausgesetzt.

silicon.de: Haben Mittelständler auch das gleiche Sicherheitsbewusstsein wie große Unternehmen?

Fell: Was wir sehen – auch nach der Übernahme des Sicherheitsanbieters Internet Security Systems – ist, dass das Sicherheitsbewusstsein allgemein noch zu schärfen ist. Einige Unternehmen behaupten, sie wären gesichert, weil sie eine Firewall und Virenschutzlösungen installiert haben. Das ist aber eine trügerische Sicherheit.

Die Hacker-Community besteht aus hochintelligenten Köpfen, die sich den ganzen Tag darüber Gedanken machen, wie sie solche Systeme attackieren können. Die Angriffe werden auch immer einfallsreicher.

silicon.de: Hätten Sie ein Beispiel?

Fell: Es gab kürzlich in einem Unternehmen die Situation, dass Getränkeautomaten für Hacker-Angriffe genutzt wurden. Der Getränkeautomat hat ja auch eine Datenleitung, über die er seine Füllstände an die Zentrale übermittelt. Dieser Automat wurde gehackt und dafür verwendet, Angriffe zu starten. Das Bewusstsein für Gefahren dieser Art gilt es zu schärfen, auch im Mittelstand. Sicherheit ist mehr als Firewall und Virenschutz.

silicon.de: Was sind mittel- und langfristig die größten Herausforderungen für die IT des Mittelstandes?

Fell: Immer mehr mittelständische Unternehmen betrachten die IT nicht mehr nur als Kostenfaktor, sondern vielmehr als Innovationstreiber. Damit ändert sich auch der Aufgabenschwerpunkt der IT-Manger. Diese werden künftig mehr überlegen, wie sie die Geschäftspolitik aktiv unterstützen können. Die IT-Verantwortlichen müssen dann entscheiden, was die eigene IT leisten kann, wo die IT-Abteilung Hilfe von Partnern braucht und welche Aufgaben ausgelagert werden.