Investoren sind Hightech-Muffel

Management

Obwohl britische Geldgeber im vergangenen Jahr fast eineinhalb Milliarden Euro in junge Firmen investiert haben, beschweren sich Technologie-Firmen über fehlende Dynamik bei den Investoren.

“Unter dem Strich mag es sein, dass es in Großbritannien einfach ist, Kapital für bewährte Konzepte und Geschäftszweige aufzutreiben. Aber es ist außergewöhnlich schwierig, wirkliche Innovation zu finanzieren”, so Unternehmer Noah Freeman gegenüber der BBC. Anne Glover, führende Risikokapitalgeberin bei Amadeus Capital, sieht die Situation anders: “Die Lage war, bis auf die Zeit des Booms im Jahr 2000, nie besser als jetzt.”

Vor allem die Sektoren Mobilfunktechnologie, Halbleiter und verbraucherorientiertes Internet seien im Moment laut Amadeus Capital gefragt. Auch während des Booms vor sieben Jahren waren diese Branchen gefördert worden, gefolgt von einem Einbruch, mit dem viele der Unternehmen verschwanden, während sich die Investoren zurückzogen. “Diejenigen, die den Einbruch überlebt haben, sind heute erfahren und finanziell abgesichert und haben die gleichen, globalen Bestrebungen wie die weltbesten Unternehmer”, resümmiert Glover.

Das wirkliche Problem seien fehlende Ambitionen bei Investoren und Unternehmern, so Glover. “Wir verteilen das Kapital zu breit anstatt uns auf die besten Ideen zu konzentrieren.” Alex van Someren, der sein Internet-Sicherheits-Unternehmen Ncipher in der Zeit von 1996 bis 2000 aufgebaut hat, sieht einen positiven Trend: “Investoren und Unternehmer sind anspruchsvoller geworden.” Geld und gute Ideen seien ausreichend vorhanden, aber Ideen seien nicht automatisch anlagefähige Unternehmungen.

Die Tatsache, dass Großbritannien keine Hightech-Industrieregion nach dem Vorbild von Silicon Valley habe, sei kein unüberwindbares Hindernis, so Glover. “Denselben Minderwertigkeitskomplex findet man in Indiana oder Wisconsin – Silicon Valley ist einzigartig.” Überall auf der Welt sei es schwer Startkapital aufzutreiben. “Das Unternehmertum ist hart und man darf nicht erwarten, dass es einfach ist.”