Analysten: SAPs Business ByDesign wird die IT auf den Kopf stellen

Management

“Ganz ehrlich – SAP Business ByDesign wird den ERP-Markt stark verändern.” So lautet die zusammengefasste Analyse von Pierre Audoin Consultants (PAC) zur jüngsten Produktankündigung aus Walldorf.

SAP ist bekanntlich dabei, eine vollständige – und vor allem mit allen wichtigen Anwendungen aus dem Bereich Business Applications voll integrierte – Lösung auf den Markt zu bringen, und zwar ausschließlich im On-Demand-Modus.
 
Dass die Lösung komplett Service-orientiert ist und auf SAP NetWeaver basiert, überrascht die Analysten nicht. Interessant sei jedoch die totale Abkehr von der Modul-Orientierung. Es gebe beispielsweise kein eigenständiges CRM-Modul mehr. Stattdessen werde CRM-Funktionalität für alle relevanten Prozesse zur Verfügung gestellt. So gesehen sei SAP Business ByDesign ein Set aus Composite Applications, das in der SAP Business Suite erst Schritt für Schritt von SAP, Partnern und Kunden entwickelt wird.

Diese Lösung ist nach Ansicht der PAC-Analysten einzigartig auf dem Markt. Eine komplett Prozess- und Service-orientierte Lösung im Software-as-a-Service (SaaS)-Modus sei so noch nicht erhältlich gewesen. Was die Vollständigkeit der Lösung angeht, müsse man aber das Feedback des Marktes abwarten, sobald die Lösung allgemein verfügbar ist. Der Teufel sitze häufig im Detail. Sollten hier jedoch Defizite auftauchen, könnte SAP jederzeit nachlegen.

Die Kundschaft sei mittlerweile reif für On-Demand. Investitionen in ERP-Infrastruktur, aufwändige Einführungsprojekte sowie Wartungsarbeiten gehörten in der On-Demand-Welt der Vergangenheit an. Die monatliche Miete von 133 Euro spreche zudem preisbewusste Kunden an – sofern sie so genannte ‘Heavy User’ seien, also regelmäßig einen Großteil der Funktionen nutzten. Nur für spezialisierte Anwender, beispielsweise im Vertrieb, die nur ab und zu die CRM-Funktionalität nutzen, sei dieser Preis zu hoch. Für diese Klientel wolle SAP aber einen eingeschränkten Zugriff für weniger als 50 Euro anbieten.

Neben dem interessanten Preismodell versuche SAP, die Kosten durch Verringerung des externen Beratungs- und Schulungsaufwands zu drücken. Viel Wert werde bei der Lösung auf innovative Hilfe- und Lernfunktionen gelegt sowie auf einfaches Customising über Maus-Clicks und Drag & Drop-Funktionen.

Kann es der SAP aber gelingen, aus On-Demand in Deutschland einen Massenmarkt zu machen? Die Chancen dafür stehen laut PAC gar nicht schlecht, da die Lösung – und damit auch die Kundendaten – in Walldorf gehostet werden und nicht wie viele andere Angebote in den USA.

Diese Lösung sei aber sicherlich nicht geeignet für Unternehmen, die tiefe vertikale Funktionalität benötigen. Hier verlaufe eine klare Abgrenzung zu SAP Business All-in-One, die vertikalisiert vorkonfigurierte Mittelstandslösung von SAP. Trotz gegenteiliger Beteuerungen von Seiten des SAP-Vorstands sei allerdings die Abgrenzung zu SAP Business One noch nicht ganz eindeutig. Das neue Angebot ist, wie PAC mehrmals erwähnt, preislich in vielen Fällen mindestens so interessant wie SAP Business One. Unternehmen müssten klug abwägen, welches Walldorfer Angebot sie wählen sollten.

Problematisch sieht PAC das gemischte Vertriebsmodell: SAP wird eigene Vertriebsleute einsetzen sowie über einen Channel gehen. Die Frage sei aber, wie erfolgreich der direkte Vertriebsansatz von SAP sein könne angesichts der Tatsache, dass die SAP Sales Force bisher fast ausschließlich im Großkundensegment tätig war? Hier fehle es an Erfahrung im Mittelstandsvertrieb, es mangele an der berühmten Augenhöhe mit den mittelständischen Kunden. Der bestehende Channel für Business All-in-One komme hierfür nur eingeschränkt in Frage, da er von seiner hohen Branchenkompetenz lebt und außerdem in den ungleich aufwändigeren All-in-One-Projekten mehr Potential sehe. Vertriebspartner von SAP Business One seien in diesem Fall eher eine Option.