Software simuliert Peer-to-Peer-Systeme

EnterpriseNetzwerke

Das Fachgebiet Multimedia Kommunikation (KOM) der TU Darmstadt hat einen neuartigen Peer-to-Peer-Simulator entwickelt.

“Das Neue an unserer Lösung ‘PeerfactSim.KOM’ ist, dass sie komplette Peer-to-Peer-Systeme simulieren kann”, so Nicolas Liebau, Leiter des Forschungsbereichs Peer-to-Peer-Networking am Fachgebiet KOM.

“Bislang war es nur möglich, einzelne Komponenten oder eine Gruppe von Komponenten nachzubilden, wie zum Beispiel das Overlay-Netzwerk oder die Verteilstrategie für Medieninhalte.” Nun könne man modular alle Komponenten der P2P-Systeme verknüpfen und Wechselwirkungen untersuchen.

Das Overlay-Netzwerk ist ein virtuelles Netzwerk, das über dem eigentlichen Netzwerk, dem Internet, liegt und lediglich virtuelle ‘Ende-zu-Ende-Verbindungen’ darstellt. Weitere Komponenten sind die Nutzerschicht, in der das Nutzerverhalten simuliert wird, sowie die Anwendungsschicht, auf der Anwendungen wie Dateitauschbörsen oder ein Katastrophenszenario modelliert werden können.

“Am Fachgebiet KOM simulieren wir P2P-Systeme, beispielsweise um digitale Inhalte wie Videos oder Podcasts effizienter verteilen zu können. Wir berücksichtigen dabei auch den Standort der Netzwerk-Teilnehmer. Damit können wir überprüfen, ob Daten erst einmal rund um die Welt geschickt werden, bevor sie am Ziel ankommen. So etwas sollte natürlich vermieden werden. Auch wollen wir Aussagen darüber treffen, welches Overlay am besten für ein Szenario X funktioniert.”

Eine ungünstige Konstruktion des Overlays könne dazu führen, dass der Verwaltungsaufwand bei hohem Abwanderungs- und Zuwanderungsquoten der Teilnehmer eines Netzwerks exponentiell zunimmt. “Wir vermuten jedoch, dass es das beste Overlay-Netzwerk nicht gibt. Wahrscheinlich lässt sich keine allgemein gültige Aussage dazu treffen, weil die Leistungsfähigkeit eines Netzwerks unter anderem auch vom Nutzerverhalten abhängig ist.”

Der Open-Source-Simulator steht Interessierten im Internet zur Verfügung. Die aktuelle Version ist nach dem von der Resi-Gruppe (Reference for Network Simulations) vorgeschlagenen Konzept mit anderen Simulatoren kombinierbar. “Auf diese Weise werden unterschiedliche Peer-to-Peer-Mechanismen zu einem bestimmten Szenario miteinander vergleichbar”, so der Wissenschaftler.