Peer-to-Peer-Nutzung wächst ungebrochen

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Die Musik-Industrie schockiert immer wieder mit Rekordstrafen für Musiktauscher, mit zweifelhaftem Erfolg.

24 Lieder hatte Jammie Thomas zum Tausch angeboten, nun soll sie 222.000 Dollar Strafe dafür bezahlen. Offenbar scheint die US-Musikindustrie, darunter Labels wie Sony BMG, Warner Bros. und Capitol, derartig verzweifelt zu versuchen, die Menschen davon abzubringen, ihre Musik illegal zu erwerben, dass sie auch Prinzipien des Rechtsstaates aufs Spiel setzt.

Bislang lagen die Forderungen der Industrie bei Urheberrechtsverletzungen in der Regel um die 20.000 Dollar. Offenbar nicht genug. Das hat nun auch das Marktforschungsinstitut NPD Group herausgefunden. Seit 2005 ist die Zahl derer, die sich ihre Lieder in Tauschbörsen verschaffen, um weitere 8 Prozent gestiegen.

Um diese Zahlen zu erheben, verfolgt und analysiert das Marktforschungsinstitut digitale Downloads. 2006 wurden noch in 15 Millionen US-Haushalten illegale Dateien heruntergeladen. Daneben verlassen auch immer mehr Haushalte die Illegalität des Musiktausches und bedienen sich legaler Musikportale. Doch sind es noch immer 2 Millionen Haushalte weniger als bei der vermeintlich kostengünstigeren Variante.

Das Problem dabei ist, dass zwar die Zahl der Personen, die ihre Musik in Tauschbörsen ergattern, sinkt, jedoch die Anzahl der getauschten Dateien wächst. So hat NPD festgestellt, dass die Zahl von 2005 auf 2006 um 47 Prozent von 3,4 Milliarden auf 5 Milliarden Dateien gestiegen ist.

Ein kleiner Trost für die Plattenfirmen ist, dass auch die Zahl der legalen Downloads stieg. Und zwar um 56 Prozent auf über 500 Millionen. Dennoch werde, so ein Sprecher der NPD Group, dieses an sich erfreuliche Wachstum von der unglaublichen Menge an illegalen Dateien überschattet.

Aber was ist nun die Antwort der Musikindustrie auf diese Entwicklung? Es ist immer wieder die gleiche, wie die Organisation RIAA jüngst in einer Mitteilung forderte: “Weiterhin rechtliche Schritte gegen die Personen, die das Gesetz übertreten.” Das Gesetz sei klar und ebenso klar müssten auch die Konsequenzen sein, wenn es übertreten werde.

Dieser Standpunkt scheint seine Berechtigung zu haben, doch Organisationen wie die Electronic Frontier Fundation (EFF) werfen der Plattenindustrie eine gewisse Halsstarrigkeit vor. Statt immer wieder die rechtliche Keule zu zücken, sollten lieber neue Wege versucht werden, wie etwa eine kollektive Lizenzierung der Lieder in Tauschbörsen.

So vergleicht die EFF die Unterhaltungsbranche, die vergeblich versucht, die Zahl der Datentauscher einzudämmen, mit dem legendären Wikinger-König Knut, der angeblich seinen Thron ans Meer stellte und ihn erfolglos gegen die Brandung verteidigte.

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