Der Markterfolg von SAP zieht Informatiker magisch an

Management

Die deutsche Wirtschaft boomt und mit ihr der Arbeitsmarkt – nicht zuletzt in der IT-Branche. Weil die Prognosen weiterhin positiv sind, befürchten manche Unternehmen, künftig nicht genügend Fachkräfte zu finden.

Deutschlands angehende Informatiker haben gewählt: SAP, Google und IBM sind die beliebtesten Arbeitgeber. Zu diesem Ergebnis kommt Trendence in seinem Absolventenbarometer 2007. Von März bis Juni 2007 hatte das Berliner Institut für Personalmarketing rund 4900 examensnahe Studierende des Fachs Informatik zu ihren Präferenzen und Prioritäten rund um den Berufseinstieg befragt. Ziel der Studie ist es, die Berufs- und Lebenspläne der kommenden Akademikergeneration sowie ihre Wahrnehmung der Attraktivität von Arbeitgebern zu erfassen und diese mit aktuellen sowie zukünftigen Trends in Beziehung zu setzen.

Schon ein Blick in die demografischen Angaben der Studienteilnehmer gibt ein deutliches Bild darüber, was auf den Arbeitsmarkt kommen wird: Die befragten Informatikstudenten haben durchschnittlich acht Semester studiert und erwarten, weitere 2,7 Semester bis zu Abschluss zu brauchen. Rund zehn Prozent streben einen Bachelor-Abschluss an, knapp vier einen Master und etwa 86 Prozent das altbekannte Diplom. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei fast 25 Jahren, 85 Prozent sind Männer, 15 Prozent Frauen.
 
SAP kann sich als beliebtester Arbeitgeber ruhig zurücklehnen. “Wir bekommen pro Jahr rund 40.000 Bewerbungen”, freut sich Susanne Labonde, Global Head of Employer Branding bei SAP. Die Walldorfer können aus dem vollen Schöpfen. Was aber ist es, das die Softwareschmiede so attraktiv macht? “Wir sind Marktführer im Bereich der Unternehmenssoftware, global erfolgreich, eine starke Marke und besitzen ein sehr positives Unternehmensimage”, gibt Lebonde zur Antwort.
 
Und wie sehen das andere? “Die Befragten, die SAP als Top-Arbeitgeber gewählt haben, fühlen sich vor allem durch den Markterfolg angezogen. Dadurch erhoffen sie sich gute Aufstiegschancen, auch international”, so die Antwort von Lena Steinberg, Beraterin beim Trendence Institut. Bei Google war es die Innovationskraft und IBM punktete mit attraktiven Arbeitsaufgagen bei den Studenten.
 
Shooting-Star des Absolventenbarometers ist Google. Das Unternehmen schaffte es von Null auf Platz zwei. Nur ganz wenige Stimmen trennen den Zweiten vom Sieger SAP. International gesehen genießt Google seit langem einen exzellenten Ruf. In den USA hatte das Unternehmen bereits mehrere Wettbewerbe als attraktivster Arbeitgeber gewonnen. Auch innerhalb Europas ist Google führend. 16.000 europäische Studenten aus den Bereichen Ingenieur-, Naturwissenschaften und Informatik wählten das Unternehmen in einer Untersuchung des Beratungshauses Universum zum beliebtesten Arbeitgeber 2007 in Europa.
 
Mit der Wahl von Google ist die Fraunhofer-Gesellschaft aus den Top-5 gefallen und auf dem 6. Platz gelandet. Siemens steht zwar noch vor der Fraunhofer-Gesellschaft, doch geht es mit den Münchnern seit Jahren bergab. Im Vergleich zur Trendence-Studie aus dem Jahr 2004 haben Siemens und SAP die Plätze getauscht: SAP stieg von vier auf eins, Siemens fiel von eins auf vier. So wie die Münchner langsam aber sicher aus den oberen Rängen verschwinden, ist SAP langsam aber kontinuierlich aufgestiegen (siehe Tabelle). 
 
BMW wurde von den angehenden Informatikern auf den 5. Platz gewählt. Betrachtet man die zehn Bestplatzierten, so spielt die Automobilbranche eine wichtige Rolle als Arbeitgeber für IT-Spezialisten, denn Porsche wurde auf den 9. und Audi auf den 10. Platz gewählt. Das mag wohl auch damit zu tun haben, dass ein Drittel der Wertschöpfung an einem Fahrzeug auf Elektronik und Informatik entfällt. Der Verband der Automobilindustrie geht davon aus, dass der Anteil bis zum Jahr 2015 auf bis zu 40 Prozent ansteigen wird. Die Automobilindustrie mit ihren zahlreichen Zulieferbetrieben könnte dadurch weiter an Bedeutung gewinnen.
 
Auf den letzten Plätzen stehen Atos Origin, CSC, Dresdner Bank, Ford, Huk-Coburg, Intershop und die Münchner Rückversicherung. Vielleicht haben manche dieser Unternehmen einfach nur den falschen Standort: Etwa ein Drittel der Befragten nannte München als die Stadt, mit den besten beruflichen Perspektiven. Dann folgen Frankfurt am Main (ca. 19 Prozent) und Stuttgart (16 Prozent). Mobil scheinen alle angehenden Informatiker zu sein, denn die weitaus meisten würden für ein attraktives Angebot ihren bisherigen Wohnort verlassen, sei es innerhalb Deutschlands oder in Europa.
 
Mehr als die Hälfte empfindet die Sicherheit des Arbeitsplatzes als sehr wichtig oder wichtig. “Sie sind sich dabei aber bewusst, dass eine lebenslange Unternehmenszugehörigkeit nicht mehr die Regel ist”, so Steinberg. Durchschnittlich erwarten die Informatik-Studenten bei durchschnittlich sechs Arbeitgebern tätig zu sein und nach vier Jahren ihren ersten Arbeitgeber zu verlassen. Ebenfalls mehr als die Hälfte aller Befragten bezeichnen das Gehalt als wichtigen oder sehr wichtigen Faktor der Arbeitgeberwahl. Noch vor einem Jahr waren das deutlich weniger.
 
“Nach jahrelang sinkenden Gehaltserwartung gehen die Absolventen jetzt von deutlich mehr Gehalt aus”, so die Trendence-Beraterin. Im Durchschnitt erhoffen sie sich ein Gehalt von 42.600 Euro. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Hochschulabsolventen liegt bei SAP zwischen 40.000 und 45.000 Euro pro Jahr und ist damit nahezu deckungsgleich mit den Erwartungen der Studenten. Bei SAP scheint einfach alles zu stimmen.