Sony kapituliert vor eigenen Chips

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Der japanische Elektronikkonzern Sony lagert seine Computerchip-Sparte aus. Gemeinsam mit Toshiba gründet das Unternehmen ein Joint Venture für die Produktion von hochleistungsfähigen Halbleitern.

Spätestens bis März 2008 sollen die endgültigen Details zum Gemeinschaftsunternehmen beschlossen werden. Im Vorfeld berichtete das Wall Street Journal noch von einem Verkauf der Sparte an Toshiba für rund 100 Milliarden Yen (603,9 Mio. Euro). Sony gab darüber hinaus bekannt, nun auch auf dem US-Markt eine günstigere Version der Playstation 3 (PS3) in den Handel zu bringen.

In den vergangenen Wochen tauchten immer wieder Gerüchte über den Verkauf der Chipsparte in den Medien auf. Noch im September dementierte das japanische Unternehmen die Meldungen jedoch. Man versuche ständig, die Chipsparte zu optimieren. Wie dies in Zukunft geschehe, sei jedoch noch nicht klar. Mehrere strategische Optionen seien vorstellbar, darunter auch ein Verkauf der Sparte. Zuvor hatte der Elektronikkonzern bereits angekündigt, seinen Fokus verstärkt auf das Kerngeschäft mit Consumer-Electronics-Produkten zu legen. “Wenn sich das Unternehmen verstärkt auf sein Kerngeschäft konzentrieren will, ist dies ein strategisch richtiger Zug”, sagte RZB-Analyst Christian Hinterwallner.

In das Joint Venture soll unter anderem die Produktionslinie für den Mikroprozessor Cell ausgelagert werden, der in Sonys PS3 zum Einsatz kommt. Dieser Chip wurde in Zusammenarbeit mit Toshiba und IBM entwickelt, wofür Sony in den vergangenen Jahren 1,73 Milliarden Dollar investierte. Toshiba wird 60 Prozent, an dem Joint Venture halten, Sonys Anteile werden bei 40 Prozent liegen.

Um den bislang hinter den Erwartungen gebliebenen Absatz der PS3 anzukurbeln, will Sony nach Europa und Japan nun auch in den USA eine günstigere Version seiner Spielekonsole auf den Markt bringen. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft plant das Unternehmen ein 40-GB-Modell der Konsole für 399 Dollar anzubieten. Durch ein günstigeres Modell der Spielekonsole könnte Sony zu seinen Mitbewerbern aufholen oder zumindest eine weitere Vergrößerung des Abstandes verhindern, sagte Hinterwallner. Die Light-Version der PS3 ist um 100 Dollar billiger als das bisher erhältliche 60-GB-Modell. Sony nähert sich damit dem Preisniveau seines Mitbewerbers Microsoft an, dessen Spielekonsole Xbox 360 in den USA derzeit 349 Dollar kostet. Das 40-GB-Modell ist jedoch nicht abwärtskompatibel, Spiele des Vorgängermodells Playstation 2 können demnach nicht verwendet werden.

“Mittlerweile ist Sony auf einem guten Weg”, erläuterte Hinterwallner das PS3-Geschäft. Anfangs habe das Unternehmen vieles versäumt und müsse nun auf Aktionen wie Preissenkungen setzen. Zwar sei Nintendo mit seiner Spielekonsole Wii immer noch sehr stark am Markt vertreten, das Wachstum bremse sich aber mittlerweile etwas ein. Laut Zahlen der NDP Gruppe lag Nintendo im August 2007 mit 404.000 verkauften Spielekonsolen in den USA deutlich vor seinen Mitbewerbern. Microsoft setzte im selben Zeitraum 277.000 Stück seiner Xbox 360 ab, Sony verkaufte 131.000 Stück der PS3. Weltweit will Sony bis Ende des Geschäftsjahres im März 2008 rund elf Millionen Konsolen der neuesten Generation verkaufen.