Bilanz: Das erste Jahr Linux-Client in München

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Andreas Harpf, der Kommunikationskoordinator der LiMux-Projektleitung und Leiter des stadtweiten Kommunikations-Teams, sprach mit silicon.de über die bisherigen Erfahrungen mit dem Linux-Client in München.

Seit Mitte des Jahres 2006 setzt die Münchner Stadtverwaltung den LiMux Basis-Client schrittweise auf ihren Arbeitsplätzen ein. 14.000 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2008 auf Linux migrieren. Neben der Definition, Entwicklung und Anpassung des Debian-basierten Clients waren an der heterogenen IT-Infrastruktur zusätzliche Ergänzungen notwendig, um eine einheitliche Verteilung und Verwaltung zu ermöglichen. LiMux setzt hier erfolgreich auf freie Software, darunter Open Office und Mozillas Firefox. Dennoch gibt es auch Kinderkrankheiten – Harpf ist aber zuversichtlich, dass die Umstellung auf Linux bis 2008 abgeschlossen sein wird.

silicon.de: Welche Erfahrungen haben Sie seit Oktober 2006 mit dem LiMux-Basis-Client gemacht?
 
Andreas Harpf: Nur Positive, ich selber habe von heute auf morgen damit arbeiten können. Die Piloten und Anwender die den Basis-Client haben, wollten ihn jedenfalls nicht mehr hergeben. Aber das wichtigste zuerst: Es funktioniert. Dies tut es noch nicht fehlerfrei und überall, aber wir werden immer besser. Die Welt der freien Software bietet uns die Gelegenheit, aus einer Vielzahl unterschiedlichster Programme diejenigen auszuwählen und bereitzustellen, die unsere Anforderungen am besten erfüllen. Durch die Nutzung dieser Software entstehen uns keine weiteren Lizenzkosten.

Gerade im Office-Bereich ist zum Beispiel mit OpenOffice.org eine funktionsreiche Alternative zu Microsoft Office verfügbar, die teilweise sogar mehr Funktionen bietet, als das teure lizenzpflichtige Produkt. Die Freiheit dieser Software ermöglicht uns zum einen die Auswahl, und andererseits haben wir die Möglichkeit, zusätzlich benötigte Funktionen selbst zu entwickeln und über offene Schnittstellen mit OpenOffice.org kommunizieren zu lassen. Ein Beispiel hierfür ist unser Vorlagen- und Textbausteinsystem ‘WollMux’. Die Offenheit des Programmcodes und die weitestgehende Anpassbarkeit freier Software ermöglichen es der städtischen IT, den LiMux-Basis-Client gezielter an die Bedürfnisse der städtischen Nutzer anzupassen.

silicon.de: Wie sehen, im Gegensatz dazu, die negativen Erfahrungen mit LiMux aus?
 
Harpf: Es ist in jedem Fall eine Umstellung und so lange diese nicht da ist, haben manche ein wenig Angst davor. Die Änderungen im Detail brauchen anfangs etwas Zeit, bis man sie beherrscht. Der Basis-Client, die notwendigen Infrastrukturelemente und der Wollmux sind entwickelt. Dennoch ist die vorhandene heterogene Infrastruktur und der Parallelbetrieb von Windows und Linux in einigen Bereichen noch eine Herausforderung.

silicon.de: Welche Kinderkrankheiten gibt es?

Harpf: Grundsätzlich sind gerade Open-Source-Programme diejenigen, die standardisierte Schnittstellen am Besten unterstützen. Problematisch sind proprietäre Formate, wie zum Beispiel im CAD-Bereich oder bei einer Vielzahl von Microsoft-Produkten, wie MS Visio oder Project. Dort müssen entweder die bisherigen Anwendungen beibehalten, geeignete Austauschformate gefunden oder die Anwendungen abgelöst werden. Am umfangreichsten sind die Schnittstellen der Office-Produkte. MS Office und OpenOffice.org – beide Welten existieren. Einerseits innerhalb der Stadtverwaltung, da die Migration von 14.000 Arbeitsplätzen ihre Zeit braucht. Andererseits erfolgt die Kommunikation mit anderen Verwaltungen oder den Bürgerinnen und Bürgern zum Teil mit den verbreiteten proprietären Formaten von MS Office.

Um den hier zu erwartenden Problemen beim Dateiaustausch zu begegnen, werden Tipps und Tricks gesammelt und auch in Schulungen vorgestellt. Darin gibt es Hilfestellungen, wenn die Nutzer in MS Office oder OpenOffice.org Dokumente erstellen, die mit dem jeweils anderen Produkt ausgetauscht, beziehungsweise bearbeitet werden müssen. Problematisch können dabei nur die Dokumente werden, die wechselseitig bearbeitet werden. Nachdem dies gerade in der Kommunikation mit Bürgern in der Regel nicht der Fall ist, werden deshalb PDF-Dokumente verwendet. Bei PDF gibt es keine Komplikationen.