iPod touch: innovativ, aber nicht immer praktisch

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Kaum ein Gerät hat jemals für so viel mediale Aufregung gesorgt wie Apples iPhone.

Daneben ist sogar das Produktfeuerwerk rund um die neue iPod-Serie verblasst – und das, obwohl Apple mit einer kompletten Neugestaltung der Nano-Serie und der Einführung des iPod touch aus dem Vollen schöpfen konnte. Aus der iPhone-Entwicklung hervorgegangen, wartet das neue iPod-Flaggschiff mit derselben innovativen Touchscreen-Bedienung auf, die schon auf dem iPhone für Aufregung gesorgt hat. Wie der pressetext-Test des Geräts zeigt, stellt sich in der Praxis die Frage, ob eine reine Touchscreen-Bedienung eines Musikplayers überhaupt zielführend ist.

Einen MP3-Player mit einem funktionierenden Browser und WLAN auszustatten, zeigt im Zusammenspiel mit dem cleveren Hardware-Design, dass Apple der Konkurrenz in diesem Produktsegment weiterhin um einen bis zwei Schritte voraus ist. Der 3,5-Zoll-Touchscreen kann mit einer ausreichend guten Auflösung von 480 mal 320 Pixel und überzeugender Leuchtkraft aufwarten. Ein integrierter Sensor sorgt zudem dafür, dass sich bei der Drehung des Geräts die Bildschirmdarstellung von vertikal auf horizontal umstellt. Genutzt wird die Funktion etwa für die Darstellung von Bildern oder zur visuellen Darstellung der eigenen Musikbibliothek mittels Coverflow. Der Sensor funktionierte im pressetext-Test zuverlässig. Zu kämpfen hatte die Erkennung nur, wenn der iPod in einer diffusen Schräglage in der Hand gehalten wurde.

Dass Touchscreen nicht gleich Touchscreen ist, beweist Apple mit seiner neu entwickelten Zwei-Finger-Zoom-Steuerung. Die Bedienung gestaltet sich in der Praxis als äußerst intuitiv, und gerade beim Surfen auf Webseiten kann der Zoom-In und Zoom-Out über Daumen und Zeigefinger überzeugen. Aber auch das Durchblättern von Albencover, Songlisten und Fotos hinterlässt durchaus einen gewissen Wow-Effekt. Gerade aber bei den elementaren Musik-Steuerungselementen erweist sich die Touchscreen-Technologie allerdings nicht immer als praktisch.

So kann die Lautstärkenregelung mit dem Zeigefinger kaum mit dem äußerst praktischen Touch-Wheel der Vorgänger-iPods mithalten. Der Pegelregler reagierte im pressetext-Test nicht immer ganz zuverlässig beziehungsweise erforderte großes Fingerspitzengefühl, um fein abgestimmte Volume-Änderungen durchzuführen. Und auch beim Überspringen eines nicht gewünschten Liedes erweist sich der Hightech-Touchscreen als Schritt zurück. Anstatt blind weiterschalten zu können, muss der iPod aus der Jacken- oder Hosentasche genommen, per Fingerbewegung entriegelt und schließlich das nächste Lied angewählt werden. Hier offenbart sich das nicht von Apple verschuldete Dilemma, dass ungeachtet der unbestrittenen Vorzüge der Touchscreen-Technologie, ein Mindestmaß an mechanischer Steuerung kein Nachteil ist. Eine zusätzliche, externe Steuerungsmöglichkeit – etwa über die Kopfhörer – könnte hier jedoch leicht Abhilfe schaffen.

Alles in allem stößt Apple mit seinem WLAN-fähigen Multimedia-Gerät definitiv neue Türen auf. Ironischerweise werden dem Gerät ausgerechnet die von Apple aufgezeigten Möglichkeiten zum Verhängnis. Stellt sich bei anderen Geräten die Frage nach derart reichhaltigen Funktionalitäten erst gar nicht, lässt der iPod touch das fehlende E-Mail-Programm oder auch die nicht vorhandene Bearbeitungsmöglichkeit des integrierten Kalenders direkt auf dem Gerät vermissen. Angesichts der intelligenten Browserbedienung und der nahtlosen Integration des iTunes-Store über WLAN sehnt man sich schon bald nach ständiger mobiler Webanbindung – womit wir dann wieder beim iPhone wären.

Der iPod touch ist derzeit in zwei Flash-Varianten erhältlich. Das Acht-Gigabyte-Modell kostet 299 Euro, 16 Gigabyte Speicher gibt es um 399 Euro. Der Start des Apple iPhones ist in Deutschland für den 9. November anberaumt. Für Österreich und die Schweiz steht das Markteinführungsdatum noch nicht fest.