Chinesen klauen sich Billig-Chip zusammen

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Das Reich der Mitte ist eine aufstrebende Wirtschaftsnation. Nun will China auch einen eigenen Prozessor auf den Markt bringen.

Loongson heißt die CPU und sie verfügt nicht über einen x86-Befehlssatz sondern basiert auf dem Instruction-Set von MIPS Technologies, das auch die Patente an dieser Technologie hält. Allerdings bezahlt das chinesische Wirtschaftsministerium keinerlei Lizenzgebühren.

Das Institute of Computing Technology (ICT) arbeitet seit 2002 an einem eigenen Prozessor und hatte zunächst erklärt, der Chip habe mit dem geistigen Eigentum des Unternehmens MIPS-Technologies nichts zu tun. Doch das hat sich bald als Fehlinformation herausgestellt. Nun hat das ICT bereits versucht, auf die Behörden hinzuwirken, wenigsten für jede Prozessor-Generation 200.000 Dollar an die Besitzer dieser Technologie zu bezahlen, doch die haben offenbar andere Pläne. Nachdem die Verhandlungen mit MIPS gescheitert waren, spricht das ICT nun nicht mehr von einem MIPS-kompatiblen Prozessor.

Dennoch wird auf dem Loongson kein Windows laufen. Statt dessen haben sich die chinesischen Forscher für Linux entschieden. Der Loongson-2F wird im Laufe des Novembers mit einer Frequenz von 1,2 bis zu 1,5 GHz vorgestellt werden. Dabei soll die chinesische Entwicklung lediglich 5 Watt verbrauchen und DDR2, SDRAM und USB 2.0 unterstützen.

Anfang 2008 soll die Loongson-Box auf den Markt kommen, ein Computer ohne Bildschirm, Keyboard oder Maus. Der Chip und der Rechner wird von STMicroelectronic produziert werden. Der Hersteller hat sich dazu mit dem französischen Hersteller Mandriva zusammengetan und die Geräte mit einer angepassten Distribution Mandriva-Linux versehen. Als Oberfläche werden die Chinesen auf GNOME setzen.

Inzwischen hat STMicroelectronics bei MIPS Technologies ein Lizenzabkommen für die MIPS64 Architektur erwirken können und die Chinesen hoffen mit Hilfe des Chip-Herstellers noch bestehende Probleme ausräumen zu können. Fünf Jahre lang hat der Hersteller nun das Exclusiv-Recht Loongson-Chips herzustellen und zu Verkaufen. Für jede CPU, die STMicroelectronic verkauft muss das Unternehmen 2 Dollar an ICT bezahlen.

Das Vorhaben könnte sich dennoch auszahlen. Schließlich handelt es sich um ein Projekt der Regierung. Behörden und offizielle Stellen werden also nicht auf den Preis schauen, sondern werden auf die Errungschaften des Sozialismus zurückgreifen. Damit wird die neue CPU schließlich auch zur Prestige-Frage. Schätzungen sagen in den ländlichen Gebieten Chinas einen Bedarf von etwa 6 Millionen PCs in den nächsten Monaten voraus.

So hatte ICT über den Hersteller Lemote bereits 1000 Loongson-Rechner auf den Markt gebracht. Kostenpunkt 1599 Yuan, das entspricht etwa 210 Dollar. Jedoch wird der Rechner für den Massenmarkt mitsamt Eingabegeräten nicht für unter 400 Dollar verkauft werden können. Und damit ist der chinesische Vorstoß keinen Cent billiger als die Konkurrenz mit CPUs von AMD oder Intel, allerdings sind die weitaus leistungsfähiger. Der Vorteil der volkseigenen CPU schrumpft damit auf den niedrigen Stromverbrauch zusammen.

Somit ware der Loongson nicht das erste Projekt mit dem das ICT scheitert. So sollte 2007 ein Laptop für Studenten für 250 Dollar auf den Markt kommen. Jedoch stieg der Preis. So soll das Gerät jetzt zwischen 660 und 800 Dollar kosten.

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