Wer nicht kollaboriert, der kollabiert

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Collaboration Software und Services brauchen auf lange Sicht offene Standards, sagen die Anwender. Microsoft, IBM und Oracle bleiben jedoch Eigenbrötler.

Der Markt für Collaboration Software und Services brummt. Was mit dem Medium E-Mail als elektronische Kommunikation begann, hat über den Zugriff auf gemeinsame Daten und die Ad-hoc-Abstimmung über Standort- und Firmengrenzen hinweg neue Dimensionen der Zusammenarbeit definiert. “Collaboration ist, wenn zwei oder mehr Mitarbeiter permanent komplexe Daten austauschen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen”, definiert David Coleman, Gründer des kalifornischen Marktforschers Collaborative Strategies.

Das schnellere Erreichen dieser Ziele ist durch elektronische Zusammenarbeit nicht nur möglich geworden, sondern in den meisten Industriezweigen sogar zwingend. Kürzere Produktzyklen in der Automobilbranche beispielsweise setzen eine engere, permanente Kooperation zwischen Hersteller und Zulieferer während des gesamten Entwicklungszyklus voraus. Die zunehmende Nutzung von Dienstleistern und das Auslagern von Geschäftsprozessen an Outsourcing-Dienstleister tun ein übriges.

Bereits in den 80er Jahren kamen erste Collaboration-Lösungen auf den Markt – vor allem für die interne Zusammenarbeit per elektronischer Nachricht. Produkte wie Lotus Notes, Collabrix, eRoom oder FileNet definierten in den 90er Jahren das Gebiet der elektronischen Zusammenarbeit durch ihre Möglichkeiten. Nach dem Jahr 2000 wurde Collaboration immer mehr zu einem Grundbedürfnis von Unternehmen. Collaboration-Lösungen entwickelten sich damit von punktuell eingesetzten Anwendungen zu einem Bestandteil der Firmeninfrastruktur.

Messaging- oder Repository-basiert?

Collaboration Software kann man laut Coleman in zwei Klasen einteilen. Lösungen wie Microsoft Exchange/SharePoint und Novell GroupWise sind Messaging-basierte Tools. Diese Programme greifen für den Austausch auf die E-Mail-Infrastruktur des Unternehmens zu. Anwendungen wie IBM Lotus Notes/Domino, FileNet und OpenText sind dagegen Repository-basiert. Die Inhalte werden in einem zentralen Verzeichnis vorgehalten, auf das die Teammitglieder zugreifen können.

In vielen Fällen haben Repository-basierte Tools gegenüber Messaging-basierten Lösungen Vorteile, so Coleman in der Studie ‘Enterprise Collaboration’. Er empfiehlt jedoch, das für und wider beider Ansätze genau zu prüfen. Viele Unternehmen unterschätzten, wie komplex die Probleme sind, die sie mit dem Einsatz von Collaboration Software lösen wollen.

Mit Messaging-basierter Software werde man diesen Anforderungen oft nicht gerecht, denn damit würden die Inhalte per E-Mail verschickt. Ein Empfänger könne die Dateien nur öffnen, wenn er über die richtige Anwendung verfügt. Der Austausch per E-Mail sei im Viren-Zeitalter zudem ein Risiko.

Dagegen würden die Repository-basierten Tools komplexen Anforderungen besser gerecht, sagt Coleman. Der digitale Workspace erlaube das Application Sharing und eine Zusammenarbeit in Echtzeit. Der Zugang zum Projekt könne zudem nach den Sicherheitsrichtlinien geregelt werden. Allerdings ist der Aufwand für den Betrieb dieser Tools in der Regel um einiges höher.

Wachsender Markt vor der Konsolidierung

Das Marktvolumen für Collaboration ist gewaltig. So prophezeit Coleman, dass US-Unternehmen im Jahr 2008 etwa 40 Milliarden Dollar für Collaboration Services, Software und die dazugehörige Hardware ausgeben werden. Bis dahin dürften jedoch einige Anbieter vom Markt verschwunden sein – derzeit sollen es weltweit etwa tausend sein.

Die Verlierer machen Fehler oder werden aufgekauft, prophezeit Erica Rugullies, Analystin bei Forrester Research. Immer mehr Hersteller von punktuellen Lösungen dürften in dem Maß aufgeben, in dem Infrastruktur-Anbieter Collaboration-Funktionen integrieren. Zu den Überlebenden könnte etwa WebEx gehören, so Rugullies in der Studie ‘Trends 2005: Collaboration’.

Marktführer bleibt danach Microsoft mit Exchange/SharePoint, gefolgt von IBM mit Lotus Notes/Domino und Oracle mit der Collaboration Suite. Sowohl IBM als auch Oracle strengen sich derzeit an, den Abstand zu Microsoft zu verringern. IBM veröffentlichte im September 2005 eine neue Version von Lotus Notes/Domino. Und Oracle brachte im August 2005 die Version 3 der ‘Collaboration Suite 10g’ auf den Markt.