Ein Solaris fürs Unternehmen und eines für den Entwickler

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Sun plant unter dem Projektnamen ‘Indiana’ “ein Solaris”, das in “zwei Distributionen” kommt. Das soll vor allem Entwicklern das Migrieren von Anwendungen zwischen Linux und Solaris erleichtern.

Weiterhin will Sun die kommerzielle Enterprise-Version ‘Solaris Express’ in langen und stabilen Release-Zyklen veröffentlichen. Parallel dazu sollen in dem neuen Projekt Indiana, von dem Sun zum ersten Mal im Mai gesprochen hat, die neuesten Verbesserungen in einem halbjährlichen Zyklus über ein Netzwerk-basiertes Paket-Management verfügbar gemacht werden. Diese Verbesserungen können von Sun selbst, von Entwicklern oder aus der Community heraus erbracht werden. Geld will Sun vor allem mit dem Verkauf von Services verdienen.

Wie Marc Hamilton, Vice President für Solaris Marketing bei Sun, sagte, habe das ansonsten erfolgreiche Distributionsmodell von Solaris Express lediglich einen Haken gehabt: Es ist nur für Kunden der kommerziellen Version erhältlich. Ab dem Frühjahr 2008 soll sich das ändern. Dann will Sun zum ersten Mal auch die Binaries von Open Solaris freigeben. Im kommenden Herbst wolle Sun bereits erste Testveröffentlichungen starten.

Solaris hat zwar eine breite Anwenderschaft, doch im Vergleich mit der Linux-Community ist die Zahl der Entwickler, die für die Sun-Plattform arbeiten, vergleichsweise gering. An dieser Tatsache will Sun rütteln. Obwohl Anwendungen für Linux ähnliche Wurzeln haben, sei es dennoch ein Problem, diese von Linux auf Solaris zu migrieren. Nun wolle Sun die “Ähnlichkeiten verbinden”, wie Ian Murdock betonte, Gründer von Debian und Progeny und jetzt Chefstratege für Betriebssysteme bei Sun. Dann sollen Entwickler ihre Arbeiten auch um Solaris herum strukturieren, selbst wenn im Unternehmen vielleicht zunächst noch Red Hat oder Novell Suse läuft.

Herz und Verstand der Entwickler will Sun laut eigenem Bekunden erobern und ihnen einen echten Grund geben, warum man Solaris vor Linux dem Vorzug geben sollte. Ein großer Vorteil, so Murdock, sei beispielsweise das Code Testing Tool ‘DTrace’, das zwar derzeit mit Ruby funktioniere – einer Sprache, in der derzeit viele Anwendungen auf Linux laufen – aber nicht mit Linux. Auch die Möglichkeit in Solaris mit dem ZFS (Zettabyte File System) in den letzten funktionierenden Zustand zurückkehren zu können, oder die Binär- sowie die gute Rückwärtskompatibilität könne ein gutes Argument für Entwickler sein.

Sun will mit diesem Schritt auch aus der Tatsache Kapital schlagen, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Linux-Distributionen teilweise erheblich sind. Zwar wird die neue Distributionsstrategie den Erfolgskurs von Linux kaum bremsen können, dennoch stellt sie Solaris in eine bessere Wettkampfsituation. Mit dieser Strategie spekuliert Sun auch darauf, dass Unternehmen mit Indiana experimentieren und irgendwann auf die zertifizierte und kostenpflichtige Enterprise-Version wechseln.

Auch wenn Sun nun die Veröffentlichungsstrategie für Solaris darlegte, lässt das Unternehmen nach wie vor offen, unter welcher Lizenz Solaris im Projekt Indiana künftig vertrieben werden soll. Derzeit wird OpenSolaris unter der von Sun entwickelten Lizenz CDDL (Common Development and Distribution License) vermarktet. In verschiedenen Aussagen haben Sun-Manager jedoch immer wieder angedeutet, dass sich Sun für die kürzlich verabschiedete GPLv3 (General Public License Version 3) entscheiden könnte. Festgelegt hat man sich bei Sun jedoch bislang offenbar noch nicht.

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