Linux vor der Identitätskrise

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Wo geht die Reise für Linux in der Zukunft hin und welche Schichten soll es ansprechen.

Die Diskussionen werden, wenn es um Open Source im Allgemeinen und um Linux im Speziellen geht, gerne etwas hitzig geführt. Nachdem das quelloffene Betriebssystem nun eine bisher noch nie da gewesene technische Reife entwickelt hat, stellt sich derzeit für viele die Frage, was soll jetzt weiter mit diesem ehemaligen Randgruppen-Phänomen geschehen.

Linus Torvalds und seine zahlreichen Weggenossen wollen das Beste aus beiden Welten. Linux soll einen möglichst großen Funktionsumfang bieten, aber auch Oma Käsekampp, soll damit im Netz surfen und Briefe schreiben können.

Die Gegenseite schart sich um den geistigen Vater Con Kolivas und sie wollen ein Mainstream-Linux, das es mit Apple und Microsoft aufnehmen soll. Nun gibt es auch Kollegen, die, wie etwa Don Reisinger von CNET, der Ansicht sind, Linux sollte seinen Wurzeln treu bleiben und kein Massenprodukt werden – auch wenn es bereits Distributionen gibt, die das Zeug dazu hätten, aber deshalb noch lange nicht zu dem Besten gehörten, was die Branche zu bieten hätte.

So riet etwa Walt Mossberg, als er für das Wall  Street Journal Ubuntu testete, dem ‘Mainstream, nontechie User’, Ubuntu zu ingnorieren, denn es würde dem Durchschnittsmenschen nach wie vor einfach zu viele Probleme bereiten. Vielleicht hat Mossberg recht und vielleicht ist der Ubuntu-Pfad auch nicht der richtige Weg für Linux. Reisinger: “Wenn wir ein instabiles System wollen, können wir uns Windows holen und wenn wir nettes Design mit weniger Funktionen wollen, können wir einen Mac kaufen.” Man könne schlicht nicht die Hälfte dessen auf einem Windows-Rechner oder einem Mac tun, zu was der Techniker mit Linux im Stande sei. 

Daher sei dieser technische Ansatz, der dem Nutzer maximale Kontrolle und eine Vielzahl von Möglichkeiten an die Hand gibt, auch der würdige Ort für Linux. Und das habe Linux schließlich auch zu dem gemacht, was es heute sei. Der Massenmarkt sei nicht die Idee hinter Linux, und alle, die derzeit versuchen würden, Linux auf den Mainstream-Markt zu bringen, hätten letztlich nur finanzielle Interessen, egal, was aus diesem Lager an Gegenteiligem kommuniziert würde. Aber Linus Torvalds hätte Linux nicht mit dieser Intention geschaffen, daher eignet es sich auch nicht für den großen Markt. Den hätten bereits andere für sich erobert.

Andererseits existieren derzeit über dreihundert verschiedene mehr oder weniger gute Distributionen und Varianten von Linux. Vermutlich wird da für jeden Geschmack eine dabeisein.

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