Red Hat: Gute Zahlen, neuer Marketingchef und verspäteter Desktop

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Gestern noch hatte Jason Maynard, Analyst bei der Credit Suisse, die Aktie des Linux-Anbieters Red Hat von “outperform” auf “neutral” herabgestuft.

Grund ist die angeblich mangelhafte Integration von JBoss in die Mutterorganisation. Nichts zu kriteln hatte Maynard aber an der Finanzlage, zumal Red Hat heute nachlegte: Sowohl Umsatz wie Gewinn ist im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2008 gestiegen. Der Umsatz kletterte gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres um 28 Prozent auf 127,3 Millionen Dollar. Im selben Zeitraum nahm der Gewinn von 11 Millionen Dollar beziehungsweise 5 Cent je Aktie auf nunmehr 18,2 Millionen Dollar oder neun Cent pro Anteilschein zu.

Maynard warnte aber auch, dass sich die mangelnde Integration von Red Hat erst in den kommenden beiden Quartalen negativ bemerkbar machen wird. “Die noch offene Integration von JBoss wird sich vor allem im dritten und vierten Quartal in den Zahlen niederschlagen, da sie doch einige strukturelle Herausforderungen mit sich bringt”, so Maynard. Die Wandlung zu einem Multi-Produkt-Unternehmen werde nicht über Nacht geschehen. Chief Executive Matthew Szulik bestätigte bei der Vorlage der jüngsten Zahlen, dass er ebenfalls nicht mit der Integration zufrieden ist. “Sowohl die Abschlüsse neuer Geschäfte als auch der Umsatz von JBoss ist hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben”, so Szulik. “Das können wir besser. In der zweiten Hälfte des Jahres werden wir richtig Gas geben.”

Interessant ist der Vergleich zu den Zahlen für das dritte Quartal von Novell, dem direkten Konkurrenten im Linux-Umfeld. Das Unternehmen hatte sie Ende vergangenen Monats vorgelegt. Im Vergleich zum dritten Quartal 2006 konnte man den Verlust von 40 auf 10 Millionen Dollar beziehungsweise von 2 Cent pro Aktie auf 1 Cent pro Aktie verringert. Der Umsatz war von 236,3 auf 243,1 Millionen Dollar geklettert. CEO Ron Hovsepian verwies bei der Präsentation der Zahlen insbesondere auf das wachsende Geschäft mit Suse Linux.

Gestern wurde zudem bekannt, dass der Linux-Distributor seinen bisherigen Geschäftsführer seiner chinesischen Niederlassung, Michael Chen, zum Vice Presidend für Unternehmensmarketing gemacht hat. Er folgt auf Tim Yeaton, dessen Abgang Maynard als große Schwächung gegeißelt hatte.

Reuters hat zudem heute gemeldet, dass Red Hat einen abgespeckten Billig-Desktop erst im kommenden Monat vorstellen will. Ursprünglicher Abgabetermin war August, später wurde September genannt. Der ‘Global Desktop Linux’ ist für den Einsatz in Behörden und Unternehmen in Schwellenländern und aufstrebenden Märkten konzipiert und soll auf den von Intel angebotenen Billig-PCs der Classmate-Serie zum Einsatz kommen. Szulik habe die neuerliche Verspätung mit noch ausstehenden Übersetzungen in diverse Sprachen begründet.