Die ganze Rating-Industrie steht am Pranger

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Firmenlenker sollten die gesetzlichen Vorgaben nicht nur als zahnlosen Papiertiger ansehen, sondern sich klare Ziele setzen.

So sorgen etwa geordnete Analyse- und Berichtssysteme für größere Finanzierungsspielräume bei der Aufnahme von Krediten. Denn durch die Brückenfunktion der IT ins Business verbessern mittelständische Unternehmen ihre Verhandlungsposition bei Kapitalgebern.

Soweit die graue Theorie. Aufgrund der aktuellen Krise an den Kapitalmärkten sind jedoch Standardformeln wie BASEL II in die öffentliche Kritik geraten. Überspitzt formulieren Experten dies so: Warum sollen Unternehmen das ausbaden, was die Banken auch nicht besser können, nämlich Marktchancen und Kreditrisiken ausgewogen und solide bewerten.

Wer nun aber in der einen oder anderen Chefetage glaubt, das selbst besser erledigen zu können, sieht sich womöglich bald eines Besseren belehrt. Infolge der durch amerikanische Banken ausgelösten Finanzierungskrise steht nämlich die ganze “Rating-Industrie” am Pranger. Immerhin sollen bei den ab 2008 geltenden Eigenkapitalregeln nach Basel II die Liquiditätslinien an so genannte Zweckgesellschaften mit Eigenkapital unterlegt werden.

Dies betrifft etwa Unternehmen aus dem Leasinggeschäft oder Finanzierungsgesellschaften, die sich Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten widmen. Im Klartext: Bei einem für die Unternehmensbewertung günstigen “AAA”-Rating ist bislang ein Eigenkapitalanteil von 20 Prozent vorgesehen. Aufgrund der unübersichtlichen Lage bröckeln jetzt aber derartige mit Basel II gesetzten Vorgaben im Bereich der Unternehmensfinanzierung.

Worauf also sollen sich künftige Rating-Verfahren stützen, wenn die Vorbilder auf breiter Front versagen. Insbesondere bei der Bewertung von Kreditrisiken stehen die bislang verwendeten Methoden und Modelle auf dem Prüfstand. Der Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) sieht das mit Basel II eingeführte Rating-Verfahren bereits heute als gescheitert an.

Der Verband fordert daher die Banken auf, zu alt bewährten Modellen zurück zu kehren, um das Vertrauensverhältnis zu der mittelständischen Kundenklientel neu zu beleben. “Während die Banken unter dem Schlagwort Basel II kleinen und mittleren Unternehmen die Kreditvergabe weitgehend verwehren, beteiligt man sich an milliardenschweren faulen Krediten aus dem Ausland”, kritisiert Werner Küsters, Präsident des BDWi.

Der Verband fordert deshalb statt “entpersonalisierter Rating-Verfahren” mehr persönliche Betreuung und Überprüfung. Möglicherweise laufen aber auch diese Forderungen ins Leere. Denn trotz des Durcheinanders halten auch bei Mittelständlern die erweiterten rechtlichen Anforderungen Einzug. Das neue Zauberwort in Verbindung mit betriebswirtschaftlichen Kennziffern lautet Compliance.

Der Begriff beschreibt gesetzliche Regeln und Auflagen, sowohl für firmeninterne Prozesse als auch externe Vorschriften, wie Lieferantenvorgaben, Audits, Gesetze und Betriebsprüfungen. In der Praxis lässt sich dies auf eine simple Formel bringen: Steigende Auflagen erfordern vor allem eines, mehr Ordnung im Datendschungel. Compliance betrifft dabei in hohem Maße die IT-Systeme, weil unzählige Prozesse ohnehin automatisiert ablaufen.