Offene Kommunikation: Die Zukunft von Open-Xchange

Management

Der Open-Source-Collaboration-Experte Open-Xchange hat seit wenigen Wochen einen neuen Chef.

Rafael Laguna de la Vera war Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Open-Xchange Inc., bis er jetzt als CEO die Führung des Unternehmens übernahm. Zuletzt initiierte er die Partnerschaft mit der 1&1 Internet AG. silicon.de befragte ihn zu seinen Plänen mit der auf dem Nürnberger Linux-Campus angesiedelten Firma.

silicon.de: Wie positioniert sich Open-Xchange im Markt, im direkten Vergleich zu Microsoft und Exchange, sowie zu einer großen Anzahl von Linux-Lösungen mit gleicher Zielgruppe?

Rafael Laguna de la Vera: Gegen die proprietären Lösungen wie MS Exchange, Lotus Notes und Novell Groupwise positionieren wir uns natürlich schlicht als die Open-Source-basierte Alternative. Mail und Groupware-Daten sind einfach zu wichtig, um sie für immer ‘wegzuschließen’ mit proprietären Systemen. ‘Gegen’ die anderen Open-Source-basierten Systeme positionieren wir uns nicht wirklich, wir halten es nicht für sinnvoll, bei einem Gesamtmarktanteil von noch weniger als 5 Prozent sich auch noch gegenseitig zu zerfleischen. Trotzdem unterscheiden sich natürlich die Ansätze. Open-Xchange ist mehr als nur E-Mail, Kalender und Adressbuch. Open-Xchange ist eine offene Kommunikationszentrale, in die Unternehmen abhängig von ihren individuellen Bedürfnissen zusätzliche Funktionen über offenen Standards einbinden können. Dazu muss das Rad nicht jedesmal neu erfunden werden. Schließlich bietet die Open Source Community hierzu zahllose bewährte Tools wie beispielsweise OpenOffice.org für Textverarbeitung, Jabber für Instant Messaging oder eben Wikis. Neben Open-Xchange als Softwareprodukt vermarkten wir es ausserdem mit unseren Partnern als Software-as-a-Service-Lösung.

silicon.de: Wir möchten einen günstigen (oder kostenlosen), stabilen Collaborations-Server auf Linux-Basis nicht als ‘alten Hut’ bezeichnen, aber in der Tat stiessen wir allein bei unsere Recherchen auf satte 14 Konkurrenzprodukte auf dem Linux-Sektor. Warum sollten die Anwender also zu Open-Xchange greifen?

Laguna de la Vera: Das ist doch das schöne an Open Source, es gibt wirklich eine Menge ‘Leben’. Für Open-Xchange spricht natürlich eben diese lange Erfahrung bei Entwicklung der und dem Support. Das macht auch den Unterschied zu den vielen anderen. Durch die kontinuierliche Präsenz ist Open-Xchange mit heute 3500 gewarteten Server-Installationen und einer Client-Zahl im Millionenbereich die am weitesten verbreitete Linux-basierte Groupware im Markt. Trotzdem sind wir sehr innovativ, wie unsere Multi-Mandanten-fähige, im Frontend AJAX-basierte Hosting Edition zeigt.

silicon.de: Mit der frühzeitigen Entwicklung des OXtenders haben Sie sich vorrangig auf Outlook fixiert und damit auf Unternehmen, die Windows am Arbeitsplatz einsetzen. Hat sich an diesem Fokus etwa verschoben?

Laguna de la Vera: Wir haben uns bei der ‘Fat/Rich-Client’-Anbindung in der Tat auf Outlook konzentriert, denn das ist schwierig genug. Eine Outlook-Anbindung ist auch heute noch ein absolutes ‘Muss’. Unsere Zahlen besagen, dass neun von zehn unserer Kunden den Outlook OXtender kaufen. Selbst wenn die IT-Verantwortlichen und Administratoren eines Unternehmens Linux als Groupwareserver favorisieren, so bleibt Outlook meistens im Einsatz – und sei es auch nur für eine Übergangszeit, bis die Benutzer sich umgewöhnt haben und die Vorteile des Web Clients zu schätzen wissen.
Zum Thema Fat/Rich Clients: Im Markt fehlt auch eine wirkliche Alternative zu Outlook. Die freien Lösungen haben nicht den Funktionsumfang und die Reife und selbst bei Apple zieht man nur langsam hinterher. Wir glauben allerdings, dass da einiges an Bewegung drin ist, wenn sich AJAX-Anwendungen langsam auch Offline-Fähigkeiten aneignen, hat man plötzlich einen AJAX basierten ‘Rich-Client’, ohne ‘Fat’ zu sein. Das ist auch die Strategie von
Open-Xchange.

silicon.de: Ein funktionaler Web-Client macht den Einsatz eines Collaborations-Servers nicht nur unabhängig vom Client-Betriebssystem, sondern auch vom Standort. Kritiker monierten beim OX5-Webclient ein etwas ärmliches ‘Look und Feel’ sowie schlechtere Usablity als etwa beim AJAX-Client der Express Edition. Was erwartet uns bei OX6?

Laguna de la Vera: Na ja, OX5 kommt aus dem Jahr 2001, dafür sah der Webclient richtig gut aus. Nun sind wir in 2008, seit 2006 entwickeln wir nun mit den neuen Möglichkeiten des ‘Web 2.0’. Wir werden die Techniken, die sich bei der Open-Xchange Express Edition und Hosting Edition bewährt haben, in den OX 6 einbauen. Dazu gehört neben dem gesamten Benutzerkonzept – z.B. mit den Panels und den kontextsensitiven Menus – natürlich auch die AJAX-basierte Weboberfläche. Dazu kommen im Linux-Backend Funktionen, welche hohe Skalierbarkeit und eine einfache Administration der Gesamtlösung sicherstellen. Wir werden Anfang des zweiten Quartals 2008 die bereits zweite Iteration dieses AJAX-Frontends freigeben, die diese interaktiven Features noch wesentlich weiter ausbaut. Ich schätze einmal, das man in einem Jahr einen echten ‘Fat/Rich Client’ nicht mehr von einem AJAX-Interface unterscheiden kann. So richtig spannend wird das Ganze dann mit solchen Technologien wie Prism von Firefox, die dann das Browserfenster ‘auflösen’ und die AJAX-Anwendungen in den Desktop integrierbar machen.