Nokia: Super-Gewinn und freches Angebot

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Der weltgrößte Handyhersteller Nokia hat mit seiner Bilanz des vierten Quartals die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Er verhalf seiner Aktie so zu einem Kurssprung.

Nachdem das Unternehmen die aktuellen Quartalszahlen bekannt gab, kletterte der Wert der Aktie innerhalb einer halben Stunde um mehr als 10 Prozent nach oben. Der Umsatz des Unternehmens stieg im abgeschlossenen vierten Quartal um 34 Prozent auf 15,7 Milliarde Euro, der Nettogewinn legte um 44 Prozent auf 1,8 Milliarde Euro oder 47 Cent je Aktie zu. Analysten hatten zuvor mit einem Gewinn in Höhe von 42 Cent je Aktie gerechnet. Zudem konnte Nokia seinen Weltmarktanteil im vierten Quartal auf 40 Prozent erhöhen.

Zudem wurde bekannt, dass die Finnen den Beschäftigten des Bochumer Werks einen Wechsel nach Rumänien anbieten wollen. Dort könnten sie im neu zu errichtenden Werk weiter arbeiten – voraussichtlich zu einem Bruchteil des Lohns. Das berichtete die ‘Rheinischer Post’. Beobachtern des Vorganges fällt dazu im besten Falle das Adjektiv “frech” ein. Wie berichtet hatte Nokia angekündigt, die Handyproduktion in Bochum trotz Rentabilität einzustellen. Über das finnische Unternehmen war daraufhin ein Sturm der Entrüstung gefegt. Diesen dürfte sie mit dem jüngsten “Angebot” eher noch angefacht haben. Ungeachtet der Ereignisse in Bochum legte die Nokia-Aktie angetrieben von den positiven Bilanzzahlen deutlich zu.

Nokia produziere in Bochum etwa 6 Prozent seiner Handys, wendet dafür aber rund 23 Prozent der gesamten direkten Lohnkosten in den Fabriken auf. Das erklärte Olli-Pekka Kallasvuo, Präsident und Chief Executive Officer von  Nokia, in einem Interview mit dem Handelsblatt. Daher könne er nicht anders als das Bochumer Werk zu schließen. Vorwürfe, die an die Subventionen geknüpften Auflagen seien nicht eingehalten worden, weist der Manager zurück. Er beteuerte außerdem, dass Nokia seit 1994 rund 600 Millionen Euro in Bochum investiert habe. Das sei ohne die Subventionen nicht möglich gewesen.

Bei der Präsentation der Quartalsbilanz spielte Bochum keine Rolle. Auffallend war die Höhe der angeführten Restrukturierungskosten für das Joint Venture Nokia Siemens Networks. Nokia hatte ursprünglich angegeben, insgesamt mehr als eine Milliarde Euro an Abschreibungen für die Restrukturierung von Nokia Siemens Networks noch im Geschäftsjahr 2007 zu verbuchen, der Mittelwert der Analystenerwartungen lag diesbezüglich bei 800 Million Euro. Wie heute bekannt wurde, hat Nokia jedoch lediglich 119 Million Euro an Restrukturierungskosten im vierten Quartal abgeschrieben. “Die restlichen Abschreibungen sind eher aufgeschoben als aufgehoben”, so der Analyst. Damit würden sich die Restrukturierungskosten auch auf das Geschäftsjahr 2008 auswirken. Zusätzlich ist mit Abschreibungen durch die Schließung des Bochumer Werkes zu rechnen, die mit 60 bis 80 Million Euro die Ergebnisse des ersten Halbjahres belasten könnte.

Im vierten Quartal konnte Nokia die operative Marge zudem auf 15,9 Prozent steigern. Obwohl Nokia im Lowend-Bereich weiterhin die Marktführerschaft einnehmen werde und von einem weiteren Wachstum des Marktanteiles auszugehen ist, wird sich das Wachstum am Handymarkt verlangsamen.