Microsoft will sich Yahoo einverleiben

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Der Redmonder Konzern überrascht mit einer der größten Firmenübernahme in der US-Geschichte die IT-Gemeinde.

In einem Brief teilte Microsoft-CEO Steve Ballmer dem Yahoo-Management mit, dass Microsoft 31 Dollar pro Yahoo-Aktie zu bieten gedenkt. Geplant sei die Übernahme für das zweite Halbjahr 2008, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Yahoo-Aktionäre könnten zwischen einer Barauszahlung und Microsoft-Aktien wählen.

Yahoo würde in Microsofts aktuelles Beuteschema passen: Mit aller Gewalt versucht der Softwarekonzern, sich vom Werbekuchen im Internet eine große Scheibe abzuschneiden. Im Oktober vergangenen Jahres beispielsweise vereinbarten Microsoft und der Web-2.0-Shootingstar Facebook eine strategische Partnerschaft. In diesem Rahmen ist Microsoft mit 1,6 Prozent an Facebook beteiligt, was einem Wert von rund 240 Millionen Dollar entspricht. Microsoft übernimmt die Vermarktung der Social-Networking-Plattform.

Microsoft-CEO Steve Ballmer erklärte bei einem Conference Call zur Übernahme, dass im Such-Markt vor allem die Masse zählt. Und zwar in drei Bereichen: Zum einen bei den Anwendern, zum anderen bei den Werbetreibenden und drittens bei den Verlegern. Mit der Übernhame von Yahoo, so Ballmer, ließen sich diese Kapazitäten ausbauen. Auch Kevin Johnson, President bei Microsoft erklärte: “Scale matters”.

Johnson erklärte aber auch, dass man Synergien zwischen beiden Unternehmen nutzen wolle. Microsoft habe bereits einen “klare Integrationsplan” ausgearbeitet, einige Abteilungen würden diesem zum Opfer fallen müssen. 

Mit den Synergien zwischen Yahoo und Microsoft will Johnson auch den stetigen Verlust von Marktanteilen eindämmen. Vor allem eine starke Forschungsabteilung soll der Suchtechnologie “zu neuen Durchbrüchen” verhelfen.

Für Ray Ozzie, den Chief Software Architekten bei Microsoft, ist Suche bislang kaum mehr als “zehn blaue Links”. Das soll sich ändern. Zusammen mit dem Wissen und den Technologien von Yahoo will Microsoft für Phänomene wie soziale Nezte, neue Kommikationsformen sowie neue Arbeitsweisen, wie sie etwa mit Windows Live ihren Anfang nehmen, gerüstet sein.  

Ende November hatte Mark Wolfram, der bei Microsoft für die Anbahnung von Firmenübernahmen zuständig ist, die Übernahme im Prinzip schon angekündigt. Vor Venture-Capital-Managern erklärte er, dass Microsoft Übernahmen im Bereich von Werbung, WLAN, Gesundheitswesen und Entertainment plane. Eine Grundvoraussetzung nannte er, dass ein Unternehmen im Vollbesitz aller Copyrights seiner Produkte ist. Des Weiteren muss das Management daran interessiert sein, langfristig mit Microsoft zusammen zu arbeiten.

Erst vor wenigen Tagen hat Yahoo einen Gewinneinbruch vermeldet und den Abbau von insgesamt 1000 Stellen angekündigt. Noch viel zeitnaher ist zudem der Abgang von Terry Semel, dem langjähriger CEO von Yahoo. Vor ein paar Stunden – wohl schon im Angesicht der drohenden Übernahme – erklärte er sein Ausscheiden aus der Firma. Sieben Monate nach seinem Rücktritt als CEO will er nun auch seinen Posten im Aufsichtsrat aufgeben.

Semel hatte auf Druck der Yahoo-Aktionäre im vergangenen Juni seine Position an Jerry Yang, einen der beiden Unternehmensgründer, abgeben müssen. 2006 hatte Semel ein Gehalt in Höhe von umgerechnet 48,22 Millionen Euro bezogen. Laut einer Erhebung der Agentur AP galt er als einer der bestbezahlten CEOs aktiennotierter Unternehmen in den USA.