Umbruch in Microsofts Führungsriege

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Microsoft hat wesentliche Teilen seiner Führungsetage umgebaut.

Einerseits reagiert der Softwarekonzern damit auf seine eigenen Internetpläne – die mit der versuchten Übernahme von Yahoo offenkundig sind -, andererseits auf persönliche Interessen der Mitarbeiter. Insgesamt verlassen drei Top-Manager das Unternehmen. Die frei gewordenen Stellen hat Microsoft intern neu besetzt.

Im August wird der Senior Vizepräsident Steven Berkowitz, Leiter der Online-Service-Abteilung, Microsoft verlassen. Auf eigenen Wunsch scheidet Mike Sievert aus, der das Marketing für Windows leitete. Er will sein eigenes Unternehmen gründen. Darüber hinaus wird auch Pieter Knook gehen, der lange Zeit Chef von Microsofts Windows-Mobile-Abteilung war. Er wird künftig bei Vodafone eine neu ins Leben gerufene Abteilung für Internet-Services leiten.

Im Zuge der Umstrukturierung steigt Bill Veghte nun zum Senior Vizepräsident auf und erhält zusätzlich die Verantwortung für die Business-Strategie von Windows, Windows Live, MSN und Suchfunktionen. Satya Nadella wird auch befördert und bekommt die Aufsicht über Programmierung und Ingenieursangelegenheiten von MSN zu seinen Aufgaben hinzu. Gemeinsam werden Vegthe, Nadella und der frühere Aquantive-Chef Brian McAndrews Berkowitzs Aufgaben übernehmen.

Knooks Platz wird Andy Lees, langjährige Führungskraft im Bereich Server und Tools, einnehmen. Er steigt zum Senior Vizepräsidenten der Abteilung für mobile Kommunikation auf. Brad Brooks, früher Geschäftsführer der Windows-Abteilung, wird neuer Chef des Konsumenten-Marketing für Betriebssysteme und übernimmt somit Sieverts Aufgaben.

Laut Microsoft sind noch weitere Beförderungen zu erwarten, die allerdings keine Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb haben sollen. Diese könnten in Zusammenhang mit geplanten weiteren Übernahmen stehen. Erst vor wenigen Tagen hatte nämlich Microsoft-CEO Steve Ballmer vor Analysten erklärt, dass er für ein weiteres Wachstum seines Unternehmens zusätzliche Ausgeben für unumgänglich hält. Damit sind in erster Linie weitere Zukäufe gemeint.
Die Kriegskasse jedenfalls ist gefüllt. Ende Januar hat das Unternehmen für das zweite Quartal einen Umsatz von 16,37 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 4,71 Milliarden Dollar oder 0,50 Dollar je Aktie ausgewiesen – fast doppelt so viel wie noch ein Jahr zuvor.

Seit diesem Monat ist schon ein weiterer prominenter Neuzugang bei Microsoft mit an Bord: Der ehemalige Walt-Disney-Manager Tony Scott fungiert nun als neuer Chief Information Officer (CIO) verpflichtet. Er leitet damit zukünftig die IT-Abteilung des Unternehmens, in der 4000 Mitarbeiter angestellt sind. Die IT-Abteilung von Microsoft ist für den Betrieb der weltweiten Infrastruktur zuständig.

Der 56-Jährige Scott wird für Microsoft außerdem als Corporate Vice President tätig sein und dabei Stuart Scott ersetzen, der seinen Posten im November 2007 räumen musste. Sein direkter Vorgesetzter ist Chief Operating Officer (COO) Kevin Turner.