Keine Gnade: Neues Rekordbußgeld gegen Microsoft

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Die EU-Wettbewerbskommission kennt keine Gnade mit dem weltgrößten Softwarekonzern. Neuerlich hat sie eine hohe Geldstrafe verhängt. Diesmal sind es laut den Nachrichtenagenturen 899 Millionen Euro. Grund sei die Nichterfüllung der Auflagen aus dem März 2004 bis Oktober 2007. Dies ist die höchste Strafe, die Brüssel bislang gegen einen einzelnen Konzern verhängt hat.

Dabei hat Microsoft gerade reagiert. Vergangene Woche teilte der Konzern überraschend mit, dass man viele Dokumentationen der Kommunikationsprotokolle zu veröffentlichen gedenke. Damit soll es Dritten erleichtert werden, eigene Anwendungen einfacher mit Microsoft-Produkten zu verknüpfen. Externe Entwickler sollen ab Juni Zugang zu dem gleichen Programmierungs-Interface (APIs) erhalten, die auch die Microsoft-Ingenieure nutzen. “Das ist auch ein strategischer Wandel in der Sicht unserer Ingenieure auf ihren Job”, erklärte Microsofts oberster Software-Architekt Ray Ozzie. Die Mitteilung bezieht sich auf folgende Kernprodukte des Unternehmens: Windows Vista inclusive dem .NET Framework, Windows Server 2008, SQL Server 2008, Office 2007, Exchange Server 2007 and Office SharePoint Server 2007 – inclusive aller zukünfigen Versionen.

Zudem hat Microsoft versprochen, Open-Source-Programmierern, die nichtkommerzielle Software auf der Basis von Microsofts Protokollen entwickeln, nicht zu verklagen. Kommerzielle Unternehmen müssten aber Microsofts patentierte Technologie lizenzieren.

Beobachter vermuteten sofort, dass die genannten Schritte Microsoft helfen sollen, Auflagen des Europäischen Gerichtshofs gerecht zu werden. Die EU-Kommission antworte in einer ersten Stellungnahme allerdings sehr zurückhaltend auf die Ankündigungen aus Redmond.

Die Interoparabilitäts-Ankündigung von Microsoft kam allerdings viel zu spät. Die EU-Kommission bemängelte in ihrer heutigen Entscheidung, dass Microsoft unangemessen hohe Preise für Schnittstelleninformationen verlange.

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, Microsoft schaffe eine Novität: Erstmals seit Einführung der EU-Wettbewerbspolitik vor 50 Jahren habe man ein Unternehmen wegen Nichteinhaltung der Auflagen abstrafen müssen. Der amerikanische Konzern habe mehr als drei Jahre lang die Auflagen aus dem Jahre 2004 ignoriert – dies sei ganz und gar inakzeptabel. Die EU hatte damals bereits eine Geldbuße von rund 500 Millionen Euro verhängt. Im Juli 2006 kamen weitere 280 Millionen Euro hinzu.