Die Geschichte von den Öko-Computer-Bauern

Enterprise

Na also, geht doch. Andere haben’s ja auch hingekriegt: Schon seit längerem kann man beim Aldi nicht nur in Einwegflaschen Limo kaufen, sondern auch Biogemüse.

Und seit der letzten großen Ökomesse – noch vor der diesjährigen CeBIT – der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt im vergangenen September ist allgemein bekannt, dass das umweltfreundlichste Fortbewegungsmittel weder die eigenen Beine, noch das Fahrrad ist, sondern der Daimler. Irgendwie halt, wie man’s in den 80ern in der WG-Küche so aus dem Bauch heraus gesagt hätte.

Jetzt ist also auch die IT grün. Und die CeBIT quasi ein internationales Treffen von Öko-Computer-Bauern.

Eröffnet hat sie der Steve. Und der ist doch genauso, wie man sich jemanden vorstellt, der sich für eine alternative und sanfte Form des Wirtschaftens engagiert. Eine Art Jakob von Uexküll der IT.

Sogar sein selbstverwalteter Ökobetrieb – der, den er selbst verwaltet – heißt danach: Microsoft – klein und sanft. Ganz, ganz nachdenklich war er, der Steve. So, wie sich’s gehört.

Er hat seine PR-Abteilung wohl wirklich lange nachdenken lassen, bis die draufgekommen ist, in Hannover gemeinsam mit den Leutchen von Yello einen Stromzähler unter Windows CE zu präsentieren.

Yello ist eine Tochter von EnBW. Und der Strom, den sie verkauft, stammt dementsprechend zu 51 Prozent aus Kernkraftwerken. Mit dem neuen Windows-Verbrauchszähler nun sieht man sofort, wie viele Milliardstel eines AKW man abschalten könnte, wenn man immer die Lampe im Flur ausknipsen würde.

Farblich gut dazu passen würde ein übriggebliebender Aufkleber aus den 80ern, so ein gelber mit roter Sonne und “Atomkraft? – Nein, danke!” drauf. Dann könnte man seinen Lieben sagen, dass einen die brennende Lampe im Flur wieder einmal echt betroffen macht. Das weiß man schließlich noch von damals: Gefühle muss man einfach zulassen. Vor allem: Betroffenheit.

Umweltschutz beginnt eben mit dem Energiesparen. “Sparzähler” nennt Yello denn auch sein gelbes Ablese-Gerät und zeigt damit, welche gewaltigen Anstrengungen dieses Unternehmen unternimmt, um als Öko-Betrieb anerkannt zu werden, vorzugsweise solche sprachlicher Natur.

Die IT-Branche ist ebenfalls bereit, derartige Anstrengungen auf sich zu nehmen. Vielleicht heißt’s ja bald in den Geschäftsberichten nicht mehr ROW (Rest of the World). Damit sind jene Regionen gemeint, in denen kein Umsatz zu machen ist, weil die Leute dort kein Geld haben.

Und eben deshalb, weil sie kein Geld haben, nehmen sie jeden Job an, den man ihnen anbietet, auch wenn die Arbeitsbedingungen noch so lausig sind. So können die IT-Unternehmen dort kostengünstig Handys montieren und alte Geräte entsorgen lassen.

Aber das passt nicht recht zum Eine-Welt-Gedanke. Da wird sich in Zukunft sicherlich viel ändern. Möglich wäre, dass man dann von OO-ROI spricht: One World – Rest of it.

Oder: die Leutchen aus der Männergruppe der Chefetage, heute noch ganz unzeitgemäß Vorstand genannt. Die treffen sich ja gerne zu Geschäftsessen. Eventuell nennen sie das ja bald: Business-Müsli.

Überhaupt: die Männer. Die werden sich sehr schwer tun mit der Green IT. Business ist Krieg. Dieser taffe Spruch geht jetzt nicht mehr in der Branche.

Das röhrende Alphatier ist in Gefahr. Und ausgerechnet dabei handelt es sich auch noch um die einzige bedrohte Spezies, die die Ökos nicht unter Artenschutz stellen wollen.

Ja, es bewegt sich was in der Branche: Powerpoint-Slides und E-Mails von PR-Agenturen zum Thema Green IT.

So mancher Manager dürfte jetzt im Daimler sitzen – auf der Autobahn von Hannover – und sich Sorgen machen – nicht um die Umwelt, sondern darüber, ob er künftig noch das Alphatier geben darf.

Nein, das geht nicht mehr. Aber es war gut, dass wir darüber gesprochen haben.

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