Internetkonzerne durchleuchten ihre Nutzer mehr als je zuvor

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Internetunternehmen wissen heute mehr über die Nutzer Bescheid als jemals zuvor. Dies belegt eine aktuelle Untersuchung des US-Marktforschungsinstitutes comScore, die das Potenzial von 15 großen Online-Konzernen zum Sammeln von Nutzerdaten untersucht hat.

Zu diesem Zweck wurden alle so genannten ‘data transmission events’ – also jene Zeitpunkte, wo Nutzerdaten an die Server der Unternehmen übermittelt werden – erfasst. Ergebnis der Analyse: Die großen Internetkonzerne Yahoo, Google, Microsoft, AOL und MySpace verzeichneten alleine im Dezember 2007 mindestens 336 Milliarden derartiger Datentransfers. Die bereits seit einiger Zeit laut gewordenen Bedenken von Datenschützern in Bezug auf die Praktiken des Informationssammelns im Internet werden somit erstmals in Form von konkreten Zahlen greifbar.

“Jeder Nutzer hinterlässt durch die vergebene technische Kennung eine deutliche Spur im Internet”, erklärt Marit Hansen, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein. Insbesondere die konkrete IP-Adresse eines Computers und die oft auf den Rechnern der Nutzer gespeicherten Cookies würden das Verfolgen des Wegs durch das Internet leicht ermöglichen. “Eine örtliche Zuordnung ist beispielsweise über die jeweilige IP-Adresse eines Nutzers ohne weiteres möglich”, schildert Hansen. Neben den normalen Suchanfragen würden sehr viele Informationen zunehmend auch über die Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken oder über das Verfassen eines Weblogs gesammelt. “Besonders die jüngere Nutzergeneration muss hier über die speziellen Risiken und Gefahren aufgeklärt werden”, betont Hansen.

“Problematisch ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass Nutzer gar nicht über derartige Praktiken des Datensammelns Bescheid wissen”, kritisiert Hansen. Internetunternehmen würden in der Regel ihre Kunden nicht ausreichend darüber informieren. “Wenn ein Nutzer weiß, dass seine Daten für Werbezwecke aufgezeichnet werden und dem zustimmt, ist das in Ordnung”, stellt Hansen fest. Eine persönliche Zustimmung sei in diesem Zusammenhang ausdrücklich von Nöten. “Die Einwilligung muss aber auch jederzeit zurückgezogen werden können”, ergänzt Hansen. Zudem müsse dem Nutzer das Recht auf Einsicht und Korrektur der so erhobenen Daten eingeräumt werden. “Innerhalb der EU dürfen personenbezogene Daten nur unter bestimmten Voraussetzungen gesammelt werden”, sagt Hansen. Entscheidend sei hier vor allem eine gesetzlich festgelegte Zweckbindung. “Nutzerdaten können so nicht generell, sondern immer nur auf einen bestimmten Zweck bezogen gesammelt werden”, stellt Hansen klar.

Durch das Verfolgen und Analysieren des Internet-Traffics versuchen die Unternehmen Rückschlüsse auf die Interessen und persönlichen Vorlieben der Nutzer zu ziehen. Verwendet werden die so angehäuften Informationen vor allem, um die Inhalte – speziell die Werbebotschaften – im Internet besser auf die jeweiligen Wünsche der Kunden zuschneiden zu können. Laut dem comScore-Bericht hat das größte Datensammel-Potenzial derzeit Yahoo, auf dessen Seiten rund 110 Milliarden Nutzer-Datentransfers registriert worden sind. Rang zwei belegt die Musik-Community MySpace, vor dem US-amerikanischen Onlinedienst AOL und dem Suchmaschinenbetreiber Google.