Deutschland holt beim Breitband schnell auf

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Die wirtschaftlich starken Länder der EU sind dabei, ihre Breitbandversorgung ernsthaft auszubauen. Das gilt insbesondere für Deutschland – lange etwas abgeschlagen. Doch jetzt holt Deutschland rapide auf. Das besagt ein ausführlicher Bericht der EU-Kommission. Die skandinavischen Länder halten allerdings ihre vorbildliche Position.

Wie es in dem Bericht der EU-Kommission weiter hieß, kamen 2007 in der EU 19 Millionen neue Breitbandanschlüsse hinzu. Das entspricht einem Zuwachs von über 50.000 Privathaushalten pro Tag.

Der Gesamtumsatz des Breitbandsektors wird auf 62 Milliarden Euro geschätzt. Auch in Deutschland ist der Versorgungsgrad um 5 Prozent gestiegen und liegt mit 23,8 Prozent über EU-Durchschnitt von derzeit 20 Prozent. EU-Telekomkommissarin Reding begrüßte das Ergebnis: “Das europäische Regulierungsmodell ist darauf ausgerichtet, den Wettbewerb auf den Telekom-Märkten zu steigern, und nun sehen wir die ersten Früchte. Aber es bleibt noch viel zu tun.”

Der Telekom-Sektor hat ein Volumen von fast 300 Milliarden Euro (2 Prozent des EU-Bruttoinlandproduktes) und verzeichnete im vergangenen Jahr ein Wachstum von 1,9 Prozent. 2007 war das fünfte Jahr in Folge, in dem die Investitionsausgaben des Sektors gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Sie liegen jetzt bei über 50 Milliarden Euro. Mit Umsatzsteigerungen um 3,8 Prozent auf nunmehr 137 Milliarden Euro bleibt der Mobilfunk weiterhin der größte Sektor des Telekommunikationsmarktes. Die Mobilfunkverbreitung nahm weiter zu, auf nun 112 gegenüber 103 Prozent im Jahr 2006, teilte die Kommission mit.

Die Verbreitung des Mobilfunks der dritten Generation (3G) verdoppelte sich 2007 auf 20 Prozent. Diese Dienste werden nun von über 88 Millionen Teilnehmern genutzt. Mit dem 3G-Wachstum haben auch die Mobilfunk-Datendienste um nahezu 40 Prozent zugenommen. Bei den Festnetz-Telefondiensten sind die Umsätze gegenüber 2006 hingegen um 5 Prozent gesunken, da sich viele Kunden den Mobilfunk- und IP-Diensten zuwenden. Die Festnetzbetreiber konnten diese Einbußen durch ein starkes Wachstum ihrer Breitbanddienste kompensieren, mit denen sie Umsätze von 62 Milliarden Euro erzielten. Die Senkung der Mobilfunkpreise um bis zu 14 Prozent ist die Folge verringerter Mobilfunk-Terminierungsentgelte. Die Verbraucher hatten zudem eine größere Auswahl an gebündelten Angeboten. 13 Prozent der Europäer haben nun ein Angebotspaket mit einer einzigen Gesamtrechnung abonniert, 12 Prozent davon mit Fernsehen, 23 Prozent mit Telefon, 6 Prozent mit Mobilfunk und 24 Prozent mit Internetzugang.

Im Kommissionsbericht werden auch Bereiche genannt, in denen der Telekom-Binnenmarkt noch unvollständig ist. Reding dazu: “So ist der Wettbewerb beim Zugang zum Festnetz eingeschränkt, denn 86,5 Prozent der Kunden erhalten ihn noch immer über die Infrastruktur des etablierten Betreibers. Außerdem betätigen sich nur 30 Prozent der großen Telekom-Unternehmen in der EU auch außerhalb ihres Heimatmarktes, obwohl die Technik an sich keine Grenzen kennt.” Laut Bericht kontrollieren die etablierten Betreiber über 46 Prozent der Breitbandanschlüsse. Zudem sind die Mobilfunk-Terminierungsentgelte (MTR) zwar 2007 gesunken. Es bestehen aber immer noch große Unterschiede in der EU. Das EU-weit höchste Terminierungsentgelt ist 10 Mal so hoch wie das niedrigste. Und schließlich wird die Übertragung der Rufnummern in der EU uneinheitlich gehandhabt, sie variiert von nur einem Tag bis zu 20 Tagen, hieß es.