Verkaufen statt tüfteln – neue Rezeptur für SAP

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Mit kniffligen Technologiethemen hat der designierte SAP-Chef Léo Apotheker wenig am Hut. Dementsprechend knackig formuliert er seine Pläne für die Software aus Walldorf. Er wolle eine “coole Plattform für Unternehmen” schaffen. Cool war bisher nicht unbedingt das Adjektiv, das sich dem Anwender im Zusammenhang mit SAP-Software aufgedrängt hat.

Und selbst wenn – es ist unwahrscheinlich, dass es der bisherige Vorstandschef Henning Kagermann so ausgedrückt hätte. Wenn Apotheker den habilitierten Physiker wie geplant im Sommer 2009 ablösen wird, steht damit erstmals ein Nicht-Techniker an der Spitze des Softwarekonzerns. Der 54-jährige fühlt sich im Rampenlicht pudelwohl und charakterisiert sich selbst als “etwas emotionaler und vielleicht auch ein bisschen ungeduldiger als Henning”. Ein Kunststück ist das freilich nicht, gilt Kagermann doch als Prototyp des kühlen Strategen.

Andererseits sind von Leo Apotheker kaum Temperamentsausbrüche zu erwarten, wie sie SAP-Mitbegründer und Kagermann-Vorgänger Hasso Plattner (vor allem mit Oracle-Gründer Larry Ellison als Gegenspieler) zur Legende machten. Mit dem visionären Shai Agassi, der ursprünglich mit Apotheker ab 2009 eine Doppelspitze bilden sollte, wurde Apotheker nie richtig warm. Ähnlich wie bei den meisten Alt-SAPlern dürften Showelemente wie Agassis Auftritt im Supermann-Kostüm bei dem Wahlfranzosen nur ein befremdetes Kopfschütteln ausgelöst haben.

Aber auch auf fachlicher Ebene gelang es den beiden nie, eine gemeinsame Perspektive zu finden. Immer wieder machte Apotheker Druck auf den Chefentwickler, endlich neue Produkte zur Marktreife zu führen. Am Ende wollte Agassi nicht länger auf seine Chance warten und verlies im März 2007 die SAP Knall auf Fall. Seitdem führte endgültig kein Weg mehr an Apotheker vorbei – einen zweiten Kandidaten seines Formats für den Chefsessel gibt es in dem Konzern nicht, und für eine externe Lösung fehlt die Zeit.