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Web 3.0 krempelt die IT komplett um

Mit einem genaueren Blick auf den Aufbau des semantischen Web führten der Senior Consultant Komguep und der Managing Partner Schröder von Detecon [1] in das Thema ein. Wie sie im Rahmen eines Beitrages für das Magazin Detecon Management Report schrieben, stelle die Entwicklung des Internet weiterhin einen Nährboden für die ICT-Branche dar.

Sie differenzieren dabei die Entwicklungswege des Web: In Phase 1 war das Kapital demnach kommerziell, der Fokus lag vornehmlich auf der Hierarchie, die Anwendung war statisch, die Visibilität war durch Homepages gewährleistet, das Hauptwerkzeug waren Web-Verzeichnisse und die Technologie beruhte auf den Sprachen Hypertext Markup Language (HTML), Structured Query Language (SQL) und JavaScript, hieß es.

Phase 2 bringt demnach, laut den Experten, die Einführung des gesellschaftlichen oder gemeinschaftlichen, sozialen Kapitals, das Hauptaugenmerk liegt auf der Vernetzung, die Anwendungen waren zunehmend dynamischer, die Visibilität verschob sich in Richtung von Weblogs, als Werkzeug wurden Suchmaschinen verwendet und die bevorzugten Sprachen waren Extensible Markup Language (XML), AJAX und als Anwendungsform oder Toolset: Service Oriented Architecture (SOA).

Jetzt, in Phase 3 rechnen die Detecon-Fachleute damit, dass das Kapital, das das Web 3.0 ausmacht, semantisch ist. Der Fokus liegt demnach ganz klar auf der Bedeutung, die Anwendungen sind maßgeschneidert, die Visibilität kommt durch Avatare, als Tool werden vor allem Inferenzmaschinen verwendet, das sind laut den Beratern Softwareprogramme, die unterschiedliche Ontologien prüfen, um neue Beziehungen zu finden.

Als vorherrschende Technologien des Web 3.0 identifizierten Guy Alain Djopmo Komguep und Falk Schröder die Web Onthology Language (OWL), außerdem das RDF-Format und SPARQL. RDF, das Resource Description Framework, bezeichnen sie so: Das “Metadatenmodell integriert eine Vielzahl an Applikationen – von Bibliothekskatalogen und weltweiten Verzeichnissen über die Syndizierung und Aggregation von News, Software und Inhalten bis hin zu persönlichen Musiksammlungen, Fotos und Events”.

“Die Spezifikation des RDF-Formats basiert auf dem Uniform Resource Identifier (URI) und der Extensible Mark-up Language (XML). Weiterhin werden die Konzeptgraphen-Prinzipien (CG) zur Beschreibung abgeschlossener Logikwelten verwendet. Im RDF-Schema werden zwei Informationen und eine beliebige Notation, die anzeigt, wie die Informationen verbunden sind, zusammen in einem Tripel gruppiert.”

Dabei sei URI eine Zeichenabfolge zur Identifizierung oder Bezeichnung von Ressourcen. Hauptzweck dieser Identifizierung sei es, passende Interaktionen mit den Repräsentationen der Ressource im World Wide Web zu ermöglichen. “Daher können unterschiedliche Nutzer, die mit unterschiedlichen Informationen arbeiten, trotzdem ihre Daten über spezielle Themen, wie zum Beispiel 3G, Next Generation Networks, Customer Premise Equipments und Leistungserbringungsmodelle, gemeinsam nutzen. Der übliche Uniform Resource Locator (URL) ist eine spezielle Art des URI”, hieß es weiter.

Sie identifizierten zwei weitere Technologien innerhalb der W3C Semantic Web Activity, die ebenfalls stark im Kommen seien: “Bei der ersten handelt es sich um die Gleaning Resource Descriptions from Dialects of Languages, GRDDL, die RDF-Daten mittels damit verknüpften Transformations-Algorithmen aus herkömmlichen XML- und HTML-Dokumenten extrahieren kann. Mit anderen Worten: Netizens im Web 3.0 können weiterhin Daten in ihren herkömmlichen Formaten veröffentlichen. Die zweite ist die Simple Protocol and RDF Query Language, SPARQL – eine Anfragesprache, die es ermöglicht, dass Anwendungen bestimmte Informationen in RDF-Daten suchen. Daher verwendet sie hauptsächlich Tripel-Muster, also logische UND- und ODER-Verknüpfungen.”

Als positive Beispiele dafür, wie solche Aktivitäten heute in der Realität aussehen können, nannten sie das SemanticGov-Projekt [2], das die EU [3] im Januar 2006 über die Europäische Kommission finanziell gefördert hat, um den Bürgern integrierte öffentliche Dienstleistungen zusammen mit Semantic-Web-Technologien auf nationaler und europaweiter Ebene zur Verfügung zu stellen. Daneben beschrieben sie die ersten Schritte im Web 3.0 von Hewlett-Packard [4], BT [5] und dem britischen Softwarehaus Talis [6] als durchaus positiv.

Diese Firmen scheinen nach Ansicht der Autoren verstanden zu haben, dass die Entwicklung des Internet ständig neue Dialogformen hervorbringt. Insbesondere das Web 3.0 bietet demnach beachtliche Möglichkeiten, um tiefere Einsichten in Kunden-, Zulieferer- und Partner-Wissen zu erlangen. Um jedoch die Vorteile eines so genannten “Web der Daten” nutzen zu können, sollten ICT-Player die zentralen Ansatzpunkte für die Wertschöpfung, die durch das semantische Web entstehen, erkennen und umsetzen. Im Wesentlichen sollten sie ihre Fähigkeiten im Hinblick auf Kunden-Feedback-Loops, Partnering-Initiativen, Prozessvereinfachung und Beteiligungsmodelle sowie Risikomanagement stärken, das raten Guy Alain Djopmo Komguep und Falk Schröder.