Stiefkind Weiterbildung – Strategiefehler mit fatalen Folgen

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Wenn es um die Fortbildung ihrer Mitarbeiter geht sind deutsche Unternehmer schlampig. Hier liegt eine der Wurzeln für den vielbejammerten Fachkräftemangel, sagte Robert Chapman, Mitbegründer von Firebrand Training im Gespräch mit silicon.de.

“An Angeboten mangelt es in Deutschland nicht – das kann nicht der Grund für die schlechten Weiterbildungsquoten sein”, sagte Robert Chapman, Mitbegründer von Firebrand Training, im Gespräch mit silicon.de. “Es wird zwar mittlerweile über die fehlenden Fachkräfte gejammert, doch führt dies offenbar nicht zu entsprechenden Handlungen. Deshalb würden wir Unternehmen empfehlen, zunächst eine Bestandsaufnahme im eigenen Betrieb durchzuführen: Gibt es bereits Mitarbeiter, die mit Hilfe gezielter Trainings zu einer qualifizierten Fachkraft werden können? Dabei darf es keine Scheuklappen geben. Sehr junge, vielversprechende können genauso wie erfahrene, ältere Kräfte den perfekten Skill-Match ergeben.”

Stattdessen wird der Arbeitsmarkt oft hektisch und wenig produktiv nach neuen Mitarbeitern abgegrast. Diese erfüllen dann zwar möglicherweise das vorgegebene Jobprofil zu 100 Prozent – laufen aber langfristig ebenso Gefahr auf anderen Gebieten den Anschluss zu verpassen. Für den weiteren Karriereweg kann das fatale Folgen haben. Deshalb sollte die Management-Etage nicht tatenlos zusehen, wie ihre Mitarbeiter ins Abseits driften.

“Fördern Unternehmen ihre Arbeitnehmer entsprechend regelmäßig, können sie diese nicht nur besser an sich binden. Sie machen sich außerdem unabhängiger von äußeren Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt. Damit Firmen über qualifizierte Angestellte verfügen, sollten sie diese also entsprechend aus- und weiterbilden”, sagt Chapman.

Wo aber liegt der Grund für die Fortbildungsmüdigkeit? “Der Kostendruck ist sicher allgegenwärtig. Fehlt dann noch ein institutionalisiertes Weiterbildungssystem im Betrieb, ist es häufig äußerst mühselig, entsprechende Schulungen zu veranlassen. Konkret haben viele Firmenchefs zu häufig die kurzfristig anfallenden Schulungskosten im Blick. Dabei fallen dann natürlich die Wettbewerbsvorteile, die Fachkräfte bieten, unter den Tisch.”

Aber auch die Angestellten sind in der Pflicht, ihre Karriereplanung selbst in die Hand zu nehmen und zu Experten in eigener Sache zu werden. Hier wird oft die falsche Strategie angewandt: “Anhand der Buchungen unserer Kurse können wir ableiten, dass sich deutsche Mitarbeiter meist in den Gebieten qualifizieren, in denen sie derzeit bereits arbeiten. Sie besuchen also eine passende Schulung, um den derzeitigen Job perfekt zu meistern.”