SAP: Falscher Jubel über Mittelstandsgeschäft?

EnterpriseManagementSoftware

Die SAP jubelt: Die Kundenbasis der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware für kleinere mittelständische Unternehmen Business One hat sich in zwei Jahren von 10.000 auf 20.000 Firmen erhöht. Dies gab das Walldorfer Softwarehaus auf seinem Summer Sales Meeting bekannt, das seit gestern im kalifornischen San Diego stattfindet. Doch Marktbeobachter sehen den Walldorfer Softwarekonzern vor der Wende zum schlechteren.

Als zwanzigtausendsten Kunden benannte SAP den US-amerikanischer Anbieter für Segel und Zubehör Super Sailmakers mit 15 Mitarbeitern. Er ist nun einer von 35.700 mittelständischen SAP-Kunden. Genau diese Klientel hat SAP aber auch mit seiner On-Premise-Lösung Business-all-in-One sowie dem SaaS-Angebot Business ByDesign im Auge. Zwei bestehende Lösungen sowie eine verschobene beackern also das selbe Feld. Irgendwie keimt da der Verdacht, dass die jüngste Verschiebung des Releases von Business ByDesign nicht von ungefähr kommt.

Wir erinnern uns: Nachdem die SaaS-Lösung zur CeBIT noch groß angekündigt wurde, musste SAP im Mai einen Rückzieher machen. Nun erwartet der Konzern, dass es ein bis eineinhalb Jahre länger dauern wird, bis man den ursprünglich für 2010 anvisierten Umsatz von einer Milliarde Dollar sowie 10.000 Kunden erreichen kann.

Einige Marktbeobachter gehen sogar soweit, Business ByDesign als den Wendepunkt zum Schlechteren für SAP darzustellen: Peter Färbinger vom SAP-Branchendienst e-3 etwa vergleicht BusinessByDesign mit dem Alpha-Chip von DEC: “Hier findet man Ähnlichkeiten zur heutigen SAP. Das Niveau mag unterschiedlich sein, die Strukturen sind verblüffend übereinstimmend.” Beide Firmen, DEC und SAP, seien typische Garagengründungen und wurden noch unter den Gründungsmitgliedern zu Weltkonzernen. DEC-Gründer Ken Olsen revolutionierte die IT-Serverszene mit seinen legendären Minicomputern PDP und VAX. Die SAP-Gründer revolutionierten die Software-ERP-Szene mit R/2, Hasso Plattner machte aus SAP einen Weltkonzern. Ken Olsen ignorierte die wachsende Bedeutung des PCs und schätzte Microsoft falsch ein.