Debatte um ein Verbot von “Killerspielen” neu entflammt

E-GovernmentEnterpriseManagementProjekteRegulierungService-ProviderSoftwareSoftware-Hersteller

Nach einer längeren Ruhephase ist die Debatte rund um das Thema “Killerspiele” in Deutschland erneut voll entflammt. So hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann erst vergangenen Montag bei einem Expertengespräch in Berlin seine Forderung nach einem Verbot für Spiele, die “eine grausame oder sonst unmenschliche Gewalt darstellen”, erneuert.

“Wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen, an deren erster Stelle ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele im Strafgesetz mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder einer empfindlichen Geldstrafe steht”, so Herrmann. Der derzeitige Jugendschutz bei Computerspielen sei völlig unzureichend. “Im Vergleich zu anderen Staaten hat Deutschland anerkanntermaßen besonders strikte Jugendschutzregelungen und das ist auch gut so”, kontert Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Die neuerliche Verbotsforderung Herrmanns sei nicht mehr als ein “schlechter bayerischer Running Gag in Wahlkampfzeiten”, sagte Zimmermann.

“Eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen droht gegenüber Gewalt abzustumpfen und durch sinkende schulische Leistungen für unsere Gesellschaft verloren zu gehen. Parteiübergreifend sind Innen-, Jugend-, Medien- und Rechtspolitiker aufgefordert, endlich die notwendigen Konsequenzen zu ziehen”, erklärte Herrmann. Konkret bedeute das ein klares Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele. Eigentlich sei die Debatte um ein Verbot von gewalthaltigen Computerspielen längst beendet, doch der bayerische Innenminister habe mit seiner Forderung das Thema erneut ins Gespräch gebracht, entgegnet der Kulturrat. “Sowohl in der Politik als auch in den Verbänden bestand Einvernehmen, dass die Kraft besser in die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern gesteckt werden sollte, statt in einen Verbotssanktionismus zu verfallen, der in Zeiten des Internets ohnehin schwer durchsetzbar ist”, stellt Zimmermann fest.

Der Kulturrat hatte bereits im Februar 2007 die Politik dazu aufgefordert, beim Verbot von Computerspielen nicht über das Ziel hinauszuschießen. Die seitdem geführte differenzierte Debatte habe populistische Verbotsforderungen in den Hintergrund treten lassen, heißt es in einer aktuellen Aussendung. “Handlungsbedarf besteht darin, gewaltfreie, anspruchsvolle Computerspiele stärker bekannt zu machen”, meint Zimmermann. Der geplante Deutsche Computerspielepreis der Bundesregierung ziele genau in diese Richtung und sei daher eine positive Maßnahme. “Uns geht es dabei darum, den Wert des Kulturgutes Computerspiel deutlich zu machen”, betont Damir Stipic, persönlicher Referent des medienpolitischen Sprechers der SPD. Die Vergabe eines entsprechenden Preises sei in diesem Zusammenhang ein wichtiges Signal für die Öffentlichkeit.

Dass Computerspiele zunehmend als Kulturgut wahrgenommen werden, wird auch durch die kürzliche Aufnahme des Bundesverbands der Entwickler von Computerspielen (G.A.M.E) in den Deutschen Kulturrat bestätigt. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass die Branche Auftraggeber für Künstler unterschiedlichster Sparten wie Designer, Drehbuchautoren oder Komponisten sei. Zum ersten Mal wurde damit offiziell ein Verband der Computerspielindustrie im kulturellen Politikumfeld institutionell verankert.